Erinnern Sie sich an die Zeit, als Computer ganze Räume füllten? Heute tragen wir leistungsstarke Mini-Computer in der Tasche, nutzen ultradünne Laptops und Headsets, die atemberaubende virtuelle Welten erzeugen.
Diese Technologien werden ständig leistungsstärker, schrumpfen in die Größe und bleiben erschwinglich – trotz rasanter Fortschritte Jahr für Jahr. Dahinter steckt eine bahnbrechende Vorhersage: das Mooresche Gesetz, formuliert vor fast 60 Jahren.
Was ist das Mooresche Gesetz?
Das Mooresche Gesetz geht auf Gordon Moore zurück, einen der Intel-Gründer. Es entstand 1965 in einem wegweisenden Artikel.
„Moore beobachtete, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einer integrierten Schaltung etwa alle zwei Jahre verdoppelte. Er prognostizierte, dieser exponentielle Trend hälte bis 1975 an“, erklärt Stephen Furber, ICL-Professor für Computertechnik an der University of Manchester und Pionier der ARM-Prozessoren.
„Die Umsetzung erfolgte hauptsächlich durch Verkleinerung der Transistoren. Kleinere sind schneller, energieeffizienter und waren bislang günstiger – ein klarer Gewinn. Oft verwechselt man es mit Leistungssteigerung, doch es geht rein um Transistoranzahl pro Chip.“

Rechnet man es um, ergibt sich alle 20 Jahre ein Faktor 1.000, alle 40 Jahre ein Millionenfaches. Die Realität hat das übertroffen: 1983 entwarfen Furber und Sophie Wilson den ARM1 mit 25.000 Transistoren – Vorläufer moderner Prozessoren. Apples M1 Ultra von 2022 toppt mit 114 Milliarden Transistoren im kompakten Mac Studio.
Warum ist das Mooresche Gesetz so bedeutsam?
Kaum glaublich, dass eine 60 Jahre alte Theorie die Tech-Welt prägt. Doch sie hat Verbrauchertechnik revolutioniert.
„Seit einem halben Jahrhundert treibt es die Halbleiterindustrie an, die Technologie für Computer, Smartphones und Internet liefert. Vieles Moderne wäre ohne es undenkbar“, betont Furber.
Endet der Trend, beginnt Unsicherheit in Rechenleistung und Verarbeitung.
Gilt das Mooresche Gesetz noch heute?

Meinungen gehen auseinander: Manche sehen es als lebendig, andere als überholt. Apple übertraf 2022 die Vorhersage. Doch Skalierungsgrenzen nahen.
„Das Gesetz bremst ab, Kostenvorteile der Schrumpfung schwinden“, sagt Furber. „Physikalische Limits und enorme Investitionen für 5-nm-Chips – nur wenige Konzerne können das stemmen.“
Innovationen wie 3D-Chips können es verlängern: „Bisher 2D, nun die dritte Dimension – das Ende ist nicht so nah.“
Über unseren Experten Stephen Furber
Stephen Furber ist international anerkannter Computerexperte und ICL-Professor für Computer Engineering an der University of Manchester. Er co-entwickelte den ARM-Mikroprozessor, der in Milliarden mobiler Geräte steckt.
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