Der Ozean birgt noch unzählige unerforschte Geheimnisse. Meeresbiologen erhaschen immer wieder Blicke auf die atemberaubenden Kreaturen der Tiefsee – wie den ikonischen Klecksfisch. Hier stellen wir 12 der seltsamsten Bewohner vor, die wie aus einer anderen Welt wirken.
Fangzahnfisch
Bereits 200 Meter unter der Oberfläche beginnt die "Zwielichtzone" der Tiefsee: Sonnenstrahlen verblassen, und Tiere spielen ein tödliches Versteckspiel mit Raubtieren. Ab 1.000 Metern taucht man in die "Mitternachtszone" ein – eine Welt der absoluten Dunkelheit, nur unterbrochen von Biolumineszenz. Der Fangzahnfisch beeindruckt mit seinen furchterregenden Zähnen, ist aber harmlos: Er ist kaum größer als eine Grapefruit.
Zooplankton
Im "inneren Raum" der Tiefsee schweben zahlreiche Tiere als Zooplankton – griechisch für "Tierdrifter". Manche verbringen ihr ganzes Leben so, wie die in orangefarbenem Panzer gehüllte Saatgarnele (1) oder der schwimmende Meeresschmetterling (2), eine kletternde Schnecke. Andere, wie Seesternlarven (3), sind nur vorübergehend Drifter, bevor sie zum Meeresboden sinken. Strömungen tragen sie zu neuen Orten – sofern sie nicht gefressen werden.
Leptocephalus-Larve
Meerestiere durchlaufen oft radikale Verwandlungen. Diese blattförmige Leptocephalus-Larve wird zu einem Aal und verändert ihre Körperform vollständig. Ihr durchsichtiger Körper hilft, Raubtieren im Zooplankton zu entkommen. Lange Zeit wurden Larven irrtümlich als separate Arten beschrieben – bis Biologen die Lebensstadien erkannten.
Seesaphir-Copepoden
Copepoden sind winzige Krebstiere (1–2 mm), Nahrung für Fische wie Fadenschwanz oder Ampel-Kiefer. Viele fressen Algen an der Oberfläche und transportieren Kohlenstoff in die Tiefe. Der Seesaphir-Copepode ist einzigartig: Weibchen parasiteren in Salpen, bunte Männchen schwimmen frei und glitzern durch reflektierende Kristalle, die blaues Licht erzeugen.
Drachenfisch & Beilbauch
Biolumineszenz ist in der Tiefsee allgegenwärtig – wie Glühwürmchen unter Wasser. In der Zwielichtzone kaschieren Lichter Schatten: Der Beilbauch täuscht mit Unterseitenlichtern das Silhouettenlicht vor. In der Mitternachtszone lockt der Drachenfisch Beute mit Scheinwerfern oder signalisiert Artgenossen zur Paarung.
Ampel-Kiefer (Rotbarschfisch)
Der Rotbarschfisch ist ein meisterhafter Tiefsee-Raubfisch. Sein offener Unterkiefer schnappt blitzschnell wie eine Mausefalle zu. Biolumineszente Organe erzeugen rotes Licht – unsichtbar für die meisten Tiefseetiere, die nur Blau wahrnehmen. So beleuchtet er Beute unbemerkt.
Glaskalmar
Über 60 Arten von Glastintenfischen bevölkern die Ozeane. Ihre Transparenz verhindert Schatten in der Zwielichtzone. Dieses Jungtier des Lyra-Cranch-Kalmars hat Augen an Stielen mit Lichtern zur Schattenmaskierung. Als Erwachsener sinkt es in die Mitternachtszone.
Cockeye-Tintenfisch (Erdbeerkalmar)
Tiefseekalmare reichen vom Riesenkalmar (bis 10 m Tentakel) bis zu 15-cm-Exemplaren. Der Hahnenaugenkalmar hat ein doppelt so großes Auge: Das obere sucht Silhouetten von Beute oben, das untere scannt Raubtiere unten – perfekt für die Zwielichtzone.
Fadenschwanzfisch & Boxerschnepfe
Beide haben bandförmige Körper. Der 30 cm lange Fadenschwanzfisch (Rohraugenfisch) hat fernglasartige Augen für Schatten in der Zwielichtzone – eine eigene taxonomische Ordnung. Die 1,5 m lange Boxerschnepfe fängt Krebse mit schwingenden Kiefern.
Seeteufel
In der Tiefsee ist Partnerfindung herausfordernd. Seeteufel-Weibchen tragen Männchen parasitär: Nach dem "Kuss" verschmilzt das Männchen und versorgt sich von ihr – stets bereit zur Befruchtung. Ihr Leuchtköder fängt Beute.
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