Die Vorstellung, dass unbekannte, große Tierarten in entlegenen Regionen der Welt lauern, fasziniert Wissenschaftler seit Langem. In unberührten Wäldern Neuguineas, Tiefseebecken oder Südostasien könnten noch Riesen auf Entdeckung warten. Doch hält der berühmte Loch Ness in Schottland wirklich ein über 10 Meter langes, drachenähnliches Monster bereit, wie einige Anhänger glauben?
Im Mai 2018 leitete Prof. Neil Gemmell, Genetiker an der University of Otago in Neuseeland, eine bahnbrechende Studie. Sein Team sammelte und analysierte genetische Spuren aus dem See – Umwelt-DNA (eDNA), eine Methode, die zuvor im Loch Ness nicht eingesetzt wurde. Ziel: Das Nessie-Rätsel endgültig zu lösen.
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Bist du da, Nessie?
Die Mehrheit der Wissenschaftler hält ein Monster für unwahrscheinlich. Diese Einschätzung basiert nicht auf Vorurteilen, sondern auf mangelnden Beweisen: Fotos und Videos entpuppten sich als Fakes oder Fehlidentifikationen. Biologische Spuren wie Knochen oder Kot fehlen. Augenzeugenberichte sind anekdotisch und inkonsistent.
Stattdessen erklären schwimmende Hirsche, Vögel, Robben oder Wellen viele Sichtungen. Psychologische Effekte wie "erwartete Aufmerksamkeit" verstärken Illusionen, da Besucher ein Monster erwarten.
Trotzdem lockte die Legende Forscher an: Sonar-Scans, Taucher und Kameras durchkämmten den See – ohne Erfolg.

Einige Wissenschaftler äußerten anfangs Glauben, doch die Daten widerlegten dies. Die Wissenschaft hat gründlich gesucht – und nichts gefunden.
Hören Sie unser Interview mit Prof. Neil Gemmell im Science Focus Podcast
Schon 2016 schlug ich in Hunting Monsters vor, eDNA könnte das Loch-Ness-Rätsel klären. Gemmell nahm den Ball auf: "eDNA eignet sich ideal für schwer zugängliche Orte wie Tiefseen. Ich glaube nicht an Nessie, bin aber offen für Überraschungen." Die Studie zielt auf Biodiversität ab – mit Bonus für Monsterjäger – und hilft bei der Seegesundheit.
Die Kraft der eDNA
Seit den 1990er Jahren revolutioniert eDNA die Biologie. Sie trackt ausgestorbene Arten in Sedimenten, invasive Spezies wie Asiatische Graskarpfen oder Schlammschnecken und seltene Bewohner wie Langflossen-Grindwale in der Ostsee.
2018 fand eine Pazifik-Studie sechs Haiarten per eDNA, die konventionelle Methoden übersahen.

Mit diesem Track Record testete Gemmell eDNA im Loch Ness.
Die Ergebnisse: Kein Monster, aber...
Keine Spuren eines großen reptilienähnlichen Wesens: "Plesiosaurier sind widerlegt", sagte Gemmell. Doch Fülle an Aal-DNA überall: "Riesenaale? Die Größe ist unbekannt, aber möglich. Manche Sichtungen könnten riesige Aale erklären."

Die Studie kartiert die Ökologie und schafft eine Baseline für zukünftige Überwachung. eDNA ist ein mächtiges Tool für Biodiversität.
Diese Analyse basiert auf einem Artikel aus der Dezemberausgabe 2018 von BBC Science Focus – hier abonnieren.
Was ist eDNA?

DNA aus Zellen verrät Verwandtschaften. eDNA extrahiert genetische Spuren aus Wasser, Boden oder Eis – aus Schuppen, Urin oder Kot. Seit den 1990ern bewährt, identifiziert sie Arten präzise.
Gemmells Team sequenzierte Proben aus Loch Ness und Nachbarseen, verglich mit Datenbanken und entdeckte Bekannte – und Neues?