- Das Ökosystem des Amazonas-Regenwaldes könnte bei Erreichen eines Klimawendepunkts in nur 50 Jahren zusammenbrechen, warnt eine neue Studie.
- Große Ökosysteme brechen im Vergleich zu kleineren unverhältnismäßig schnell zusammen, zeigen Computersimulationen der Forscher.
- Ein unabhängiger Wissenschaftler kritisiert: Die Schlussfolgerungen werden nicht durch die Daten gestützt.
Große Ökosysteme wie der Amazonas-Regenwald könnten nach Erreichen eines kritischen Wendepunkts in weniger als 50 Jahren kollabieren, behaupten Experten von renommierten Universitäten. Ihre Prognosen basieren auf detaillierten Computersimulationen mit realen Daten aus über 40 natürlichen Systemen.
In der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht, erklären die Wissenschaftler, dass einige Ökosysteme „deutlich schneller“ als vermutet zusammenbrechen und unter Stress in ein „alternatives Ökosystem“ umwandeln könnten.
Beispiel Amazonas: Der 5,5 Millionen Quadratkilometer große Regenwald könnte sich in nur 49 Jahren in eine „savannenartige Landschaft mit Bäumen und Gras“ verwandeln. Karibische Korallenriffe (ca. 20.000 km²) würden hingegen in 15 Jahren ausbleichen und spärlich besiedelt sein.
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Dr. Simon Willcock von der School of Natural Sciences an der Bangor University, Mitautor der Studie: „Leider zeigt unsere Forschung, dass die Menschheit sich früher als gedacht auf dramatische Veränderungen einstellen muss.“
„Diese raschen Umwandlungen in unseren größten und ikonischsten Ökosystemen bedrohen die lebenswichtigen Dienste, die sie uns bieten – von Nahrung und Rohstoffen bis hin zu Sauerstoff und Wasser.“
Die interdisziplinären Teams von Bangor University, University of Southampton und School of Oriental & African Studies (University of London) analysierten Daten von vier Land-, 25 Meeres- und 13 Süßwassersystemen.
Die Modelle ergaben: Größere Systeme benötigen zwar länger bis zum Wendepunkt, kollabieren dann aber unverhältnismäßig schnell im Vergleich zu kleineren.
Prof. John Dearing, Leiter der Studie von der University of Southampton: „Intuitiv erwarteten wir langsamere Prozesse in großen Systemen, da Störungen Zeit brauchen, um sich auszubreiten. Überraschend: Selbst die größten Ökosysteme der Erde könnten in wenigen Jahrzehnten kippen.“
James Crabbe, Biochemie-Professor an der University of Bedfordshire (nicht beteiligt): „Ein gründliches, gut recherchiertes Papier, das Beobachtungen mit fünf Modellen verknüpft.“
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Dr. Erika Berenguer, Forscherin an University of Oxford und Lancaster University (nicht beteiligt): Die Schlussfolgerungen seien nicht datenbasiert. „Beispielsweise wurde der Amazonas-Savannen-Umwandlung nicht getestet. Mit nur vier terrestrischen Systemen – keines ein Tropenwald – wird ein 50-Jahre-Kollaps prophezeit. Übertriebene Claims schaden Wissenschaft und Politik, auch wenn der Amazonas bedroht ist.“