Mehr als 500 an Land lebende Wirbeltierarten sind durch menschliche Aktivitäten in den nächsten zwei Jahrzehnten vom Aussterben bedroht, warnen renommierte Wissenschaftler der Universitäten Stanford und Mexiko-Stadt.
Die Rückgangsrate dieser Arten ist alarmierend höher als bisher angenommen und könnte verheerende Folgen für globale Ökosysteme haben. Diese Erkenntnisse stammen aus einer neuen Studie in Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), die auf dem 2015 veröffentlichten Bericht über das sechste Massensterben aufbaut.
Die Forscher beobachten eine Beschleunigung dieses Prozesses und drängen auf unmittelbare globale Schutzmaßnahmen, um einen „katastrophalen Kollaps des Ökosystems“ zu verhindern.
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Paul Ehrlich von der Stanford University, einer der Studienautoren, betont: „Wenn die Menschheit Populationen und Arten anderer Kreaturen ausrottet, sägt sie das Glied ab, auf dem sie sitzt, und zerstört funktionierende Teile unseres eigenen Lebensunterstützungssystems.“
„Die Erhaltung gefährdeter Arten sollte zu einem nationalen und globalen Notfall für Regierungen und Institutionen erhoben werden – gleichbedeutend mit der Klimakrise, mit der sie verknüpft ist.“
Über 400 Wirbeltierarten sind in den letzten 100 Jahren ausgestorben – Prozesse, die im natürlichen evolutionären Verlauf bis zu 10.000 Jahre dauern würden, so die Experten.
Beispiele: Der Elfenbeinschnabelspecht, die Grabboa von Round Island und kürzlich die Goldkröte.
Um das Aussterberisiko präzise zu bewerten, analysierte das Team Daten der Roten Liste der IUCN und BirdLife International bezüglich Häufigkeit und Verbreitung bedrohter Arten.

Aus 29.400 untersuchten Arten sind 515 (1,7 %) akut bedroht, mit weniger als 1.000 Individuen pro Art.
Diese Arten konzentrieren sich in tropischen und subtropischen Regionen, stark beeinträchtigt durch menschliche Einflüsse.
Zu den Betroffenen zählen das Sumatra-Nashorn, der Clarion-Inselzaunkönig, die Española-Riesenschildkröte und der Harlekinfrosch.
Weitere Analysen zeigen: Seit 1900 sind über 237.000 Populationen von Säugetieren und Vögeln verschwunden.
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Diese Verluste treiben Wildtierhandel, Habitatzerstörung, Bevölkerungswachstum, Verschmutzung und Klimawandel voran.
84 % der Arten mit unter 5.000 Individuen teilen Habitate mit solchen unter 1.000 – ein „Dominoeffekt“ droht.

Hauptautor Gerardo Ceballos von der Universität Mexiko warnt: „Was wir in den nächsten zwei Jahrzehnten gegen die Aussterbekrise tun, entscheidet über das Schicksal von Millionen Arten.“
„Wir stehen vor unserer letzten Chance, die vitalen Dienste der Natur zu erhalten.“