Eine aktuelle Studie aus der freien Wildbahn zeigt: Kranke Vampirfledermäuse distanzieren sich bewusst von ihren Artgenossen. Forscher der Ohio State University hatten dieses Verhalten zuvor nur im Labor beobachtet und untersuchten nun, ob es auch unter natürlichen Bedingungen auftritt.
Das Team fing 31 adulte weibliche Vampirfledermäuse in einem hohlen Baum in Lamanai, Belize. Der Hälfte der Tiere wurde Lipopolysaccharide injiziert – eine Substanz, die typische Krankheitssymptome auslöst –, der anderen Hälfte eine harmlose Kochsalzlösung.
Anschließend befestigten die Wissenschaftler Näherungssensoren an den Fledermäusen und setzten sie in ihren Baum frei. So konnten sie die sozialen Interaktionen zwischen den 16 kranken und 15 Kontrolltieren über Stunden hinweg präzise verfolgen.
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Die Ergebnisse: Kranke Fledermäuse verbrachten weniger Zeit in der Nähe anderer, pflegten weniger Kontakte und interagierten vor allem seltener mit gesunden Tieren.
Die in Behavioral Ecology veröffentlichte Studie ergab, dass eine kranke Fledermaus in den sechs Stunden nach der Injektion im Schnitt vier Partner weniger hatte als eine mit Kochsalzlösung behandelte.
Kontrolltiere assoziierten sich mit 49-prozentiger Wahrscheinlichkeit mit anderen Kontrolltieren, mit kranken jedoch nur zu 35 Prozent.
Diese Unterschiede nahmen nach sechs Stunden ab und waren geringer, wenn die Fledermäuse draußen schliefen oder jagten.
„Die Sensoren ermöglichten einen faszinierenden Einblick in die stündliche und sogar minutengenaue Dynamik des Sozialverhaltens dieser Fledermäuse – auch tief in der Dunkelheit eines hohlen Baumes“, erklärt Studienleiter Simon Ripperger von der Abteilung für Ökologie, Evolution und Organismusbiologie an der Ohio State University. „Wir erfassen nun Daten nicht mehr täglich, sondern sekündlich.“