Seit den 1950er Jahren hat sich das Hintergrundgeräuschpegel in den Ozeanen durch zunehmende Schifffahrt alle Jahrzehnte etwa verdoppelt. Militärische Sonargeräte und Unterwasser-Luftkanonen bei seismischen Untersuchungen für Öl- und Gasvorkommen verstärken diesen Lärm zusätzlich.
In solchen lauten Umgebungen kämpfen Wale und Delfine mit der Kommunikation: Manche singen oder pfeifen lauter, andere schweigen schließlich. Sonar desorientiert diese Tiere oft, was zu schnellem Aufstieg und Dekompressionskrankheit führen kann.
Laborstudien belegen schwere Folgen: Jakobsmuschellarven entwickeln deformierte Körper, Fische werden taub, Quallen, Tintenfische und Kalmare erleiden Schäden an ihren Gleichgewichtsorganen (Statozysten), die den Orientierungssinn beeinträchtigen. Airguns töten sogar winziges Zooplankton aus über einem Kilometer Entfernung.
Ähnlich wie bei Plastikmüll ist die Wirkung auf Populationen und gesamte Ökosysteme noch unklar. Wissenschaftler nutzen natürliche Pausen, wie während der Coronavirus-Pandemie, als Hydrophone einen gesunkenen Geräuschpegel bis in 3.000 m Tiefe registrierten.
Die Reaktion der Meereswelt auf diese Stille ist noch ungeklärt, doch eine Langzeitstudie zu Glattwalen in der kanadischen Bay of Fundy liefert Hinweise: Nach dem Schifffahrtsstopp infolge der Anschläge vom 11. September sanken Stresshormone im Kot der Wale. Mit zunehmendem Lärm stieg der Stress wieder an.
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