Verkehrslärm lenkt Grillenweibchen von der Bewertung des Balzgesangs männlicher Artgenossen ab und führt dazu, dass sie potenziell minderwertige Partner wählen.
Laut einer Studie der Anglia Ruskin University kann diese Störung die Lebensfähigkeit ganzer Populationen mindern.
Männliche Grillen reiben ihre Flügel aneinander, um ein energieintensives Balzlied zu erzeugen, sobald ein Weibchen in der Nähe ist. Dieser Gesang signalisiert die Qualitäten des Männchens, die Weibchen bei der Partnerwahl entscheidend berücksichtigen.
Die Forscher kopulierten weibliche Grillen mit stummen Männchen und spielten künstliche Balzlieder variierender Qualität ab, während sie unterschiedliche Hintergrundgeräusche testeten.
In natürlichen Umgebungsgeräuschen als Kontrolle bestiegen Weibchen hochwertige Sänger deutlich früher und häufiger. Unter Verkehrslärm jedoch brachte ein qualitativ hochwertiger Gesang keinen Vorteil mehr.
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Forscher stellten fest, dass Balzdauer und -häufigkeit bei erhöhtem Hintergrundlärm – einschließlich Weißem Rauschen – unabhängig von Gesangsqualität oder -vorhandensein waren.
Der menschengemachte Lärm verändert somit die Wahrnehmung männlicher Signale bei der Partnerwahl, wie die Studie zeigt.
Das könnte die individuelle Fitness beeinträchtigen: Männchen müssen mehr Energie investieren, und langfristig droht der Populationen ein Überlebensrückgang.
Hauptautor Dr. Adam Bent, der die Arbeit promoviert an der Anglia Ruskin University, erklärt: „Kurzfristig profitieren Männchen mit hochwertigen Liedern in lauter Umgebung nicht von ihrem Gesang gegenüber schwächeren oder fehlenden Signalen.“
„Sie könnten mehr Energie in lautere Rufe stecken, was ihr Überleben belastet. Weibchen paaren sich dann mit minderwertigen Partnern, da sie Qualitätsunterschiede nicht erkennen – mit Risiken für die Nachkommenviabilität.“
„Verkehrslärm und Balzgesang überschneiden sich nicht frequenzmäßig; er wirkt als Ablenkung, nicht als Maskierung.“

Co-Autorin Dr. Sophie Mowles, Dozentin für Tier- und Umweltbiologie, betont: „Menschen verändern Habitate durch anthropogenen Lärm. Partnerwahl treibt Evolution – Störungen können Viabilität senken. Als neuer Selektionsdruck ist Anpassung schwer vorhersehbar.“
Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Behavioral Ecology.