Neue Forschung zeigt: In Regionen mit extremen jährlichen Bränden nimmt die langfristige Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoff zu speichern, deutlich ab.
Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat jahrzehntelange Daten zu den Auswirkungen wiederholter Brände auf Ökosysteme weltweit analysiert. Die Ergebnisse offenbaren, dass häufige Brände zu bleibenden Veränderungen in Baumgemeinschaften führen und die Populationsdichte von Bäumen reduzieren.
Savannen sowie Regionen mit extremen Regen- oder Trockenperioden reagieren besonders sensibel auf veränderte Feuerfrequenzen. Bäume in gemäßigten Klimazonen erweisen sich hingegen als robuster. Dies belegt eine Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution veröffentlicht wurde. Baumarten mit schützenden Merkmalen wie dicker Rinde erleiden bei wiederholten Bränden weniger Schäden.
Die Effekte treten erst über Jahrzehnte hinweg auf, da die Wirkung einzelner Brände von der kumulativen Belastung durch wiederholte Feuerereignisse stark abweicht.
Die Studie gilt als die umfassendste ihrer Art: Die Forscher untersuchten Daten aus einem globalen Netzwerk von 374 Parzellen auf 29 Standorten über vier Kontinente. Diese Parzellen waren über Jahrzehnte unterschiedlichen Feuerfrequenzen und -intensitäten ausgesetzt – von afrikanischen und australischen Savannen bis zu Wäldern in Europa und Nordamerika.
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Nach 50 Jahren wiesen Regionen mit den extremsten jährlichen Bränden 72 % weniger Waldfläche und 63 % weniger einzelne Bäume auf als feuerfreie Gebiete, ergab die Analyse.
Solche Veränderungen in der Baumzusammensetzung können die Kohlenstoffspeicherkapazität der Wälder dauerhaft mindern und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Bränden schwächen.
„Das Pflanzen von Bäumen in schnell wachsenden Regionen wird als Lösung gegen den Klimawandel gefeiert“, erklärt Dr. Adam Pellegrini vom Department of Plant Sciences der University of Cambridge, Erstautor der Studie. „Nachhaltige Pläne müssen jedoch die Risiken erhöhter Brandhäufigkeit und -intensität berücksichtigen.“
„Feuchtere Regionen eignen sich zwar besser für Baumwachstum, sind aber feueranfälliger. Das beeinflusst, wo wir den Klimawandel am effektivsten bekämpfen sollten.“
Vorherige Studien hatten bereits gezeigt, dass häufige Brände Nährstoffe wie Stickstoff im Boden abbauen. Die neue Analyse deutet hin, dass dies langsamer wachsende, nährstoffarme Baumarten begünstigt, die Nahrung effizient nutzen.
Diese Arten bremsen jedoch den Nährstoffkreislauf und erschweren die Waldregeneration nach intensiven Bränden, indem verfügbare Nährstoffe für neues Wachstum sinken.
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Jedes Jahr verbrennen Feuer 5 Prozent der Erdoberfläche und setzen CO₂ frei, das 20 Prozent der jährlichen Emissionen aus fossilen Brennstoffen entspricht. Durch klimabedingte und landnutzungsbedingte Häufung werden zunehmend Kohlenstoffreserven nicht mehr regeneriert.
„Mit zunehmender Brandhäufigkeit und -intensität durch den Klimawandel verändern sich Struktur und Funktion von Waldökosystemen grundlegend“, warnt Dr. Pellegrini. „Feuertolerante Arten wachsen langsamer und senken die Waldproduktivität. Intensivere Brände und Dürren könnten die Erholung behindern und die Kohlenstoffspeicherung weiter mindern.“