Die Dämmerzone des Ozeans, die sich von 200 bis 1.000 Meter Tiefe erstreckt, bleibt eines der am wenigsten erforschten Ökosysteme. Forscher der Cardiff University haben nun entdeckt, dass in einer Phase der Ozeanabkühlung während der letzten 15 Millionen Jahre hier eine außergewöhnliche Entwicklung des Lebens stattfand.
Das Leben in dieser Zone hängt stark vom "Meeresschnee" ab – organischen Partikeln, die von der Oberfläche herabsinken. Unsere Analysen zeigen: Bei kühleren Temperaturen blieb dieser Schnee länger erhalten und drang tiefer vor. Dadurch erhielt die Tierwelt eine stabile Nahrungsquelle, was die Artenvielfalt in den Tiefen förderte.
"In unserer Studie beobachteten wir, wie Arten über 15 Millionen Jahre von der Oberfläche in tiefere Schichten migrierten – ein faszinierendes Rätsel", erklärt Paläontologin Dr. Flavia Boscolo-Galazzo, Co-Hauptautorin der Untersuchung.
"Die Wassertemperatur war der entscheidende Faktor", ergänzt Co-Hauptautorin Dr. Katherine Crichton, die computergestützte Modelle des marinen Kohlenstoffkreislaufs entwickelte. "Die Abkühlung des Ozeaninneren bewahrte den Meeresschnee länger, ließ ihn tiefer sinken und versorgte so die Tiefsee mit Nahrung."
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Um Veränderungen in der Dämmerzone zu rekonstruieren, analysierten die Experten Sedimentbohrkerne vom Meeresboden. Sie untersuchten Fossilien von Plankton, bestimmten Lebensräume und den Sinkeverlauf des Meeresschnees.

Heute beherbergt diese Zone eine faszinierende Vielfalt an Organismen wie Plankton, Quallen, Krill, Tintenfischen und Fischen. Diese Biodiversität ist essenziell für die Meeresgesundheit. Die aktuellen Erwärmungen könnten sie jedoch gefährden und die gesamten Nahrungsnetze stören – ein Grund zur Sorge für Meeresökologen wie uns.