Im Jahr 2019 stürzte der private Beresheet-Mondlander auf dem Mond ab und transportierte dabei eine Ladung besonderer Gäste: Tausende mikroskopisch kleiner Bärtierchen neben einer digitalen Wikipedia-Kopie, menschlicher DNA und einer israelischen Flagge. Ob diese extrem widerstandsfähigen "Wasserbären" den Crash überlebt haben, ist unklar. Falls ja, wären sie die ersten Erdorganismen, die ihr Heimatplanet für Jahre verlassen hat. Bislang die Einzigen.
Wir sprachen mit Stephen Lantin, Mitglied eines NASA-geförderten Teams, das Bärtierchen zu nahen Sternensystemen schicken will.
Wie wählten Sie die Organismen für diese Mission aus?
Unsere Priorität war die Größe: Je kleiner die Organismen, desto mehr passen in die Nutzlast. Und bei Ausfällen überleben hoffentlich genug. Mehr Masse erfordert mehr Treibstoff, um Geschwindigkeit aufzubauen.
Das schränkte die Auswahl auf Bärtierchen, bestimmte Bakterien, Einzeller und den Modellwurm C. elegans ein – ein Favorit in der Forschung.
Warum erregen Bärtierchen so viel Aufmerksamkeit?
Bärtierchen, auch Wasserbären genannt, wirken unter dem Mikroskop wie achtbeinige Mini-Bären. Ihr Highlight: außergewöhnliche Strahlentoleranz und Anpassungsfähigkeit an Extreme. Sie sind keine reinen Extremophile, aber extrem tolerant.
Suchen Sie feuchte Moose an Steinen – unter dem Mikroskop finden Sie sie dort oft.
Mehr über Wasserbären:
- Was ist das härteste Tier der Welt?
- Quantentheorie: Die seltsame Welt der Teleportation, Bärtierchen und Verschränkung
Können Bärtierchen den Weltraum überleben?
Raumstationsexperimente bestätigen: Viele unserer Kandidaten widerstehen Weltraumstrahlung – solare und galaktische kosmische Strahlung – weitgehend ungeschützt. Bärtierchen reparieren strahlengeschädigte DNA und versetzen sich in Kryptobiose: einen reversiblen "Winterschlaf", bei dem der Stoffwechsel fast zum Erliegen kommt. Wie ein Samenkorn erwachen sie bei passenden Bedingungen.
Wie überwachen Sie sie fernab der Erde?
Sensoren an Bord tracken ihr Verhalten. Wir schicken sie dehydriert und wecken sie remote mit Flüssigkeit. Überwachung der Reaktivierungsrate, Zellveränderungen und genetischer Response liefert Daten – auch aus großer Entfernung.
Was lernen wir daraus für Menschen?
Absolut: Es testet Lebensreaktionen auf unerfahrene Strahlungsniveaus. Ergebnisse skalieren auf komplexere Organismen.
Kehren sie zurück?
Derzeit nein. Hohe Ausgangsgeschwindigkeiten machen Bremsmanöver unmöglich.
Gefahr der Kontamination fremder Ökosysteme?
Kritikpunkte daraus sind berechtigt. Bei interstellaren Geschwindigkeiten verdampfen die Organismen bei Aufprall. Keine Kolonisationsrisiken. Zielauswahl und Ethik prüfen wir mit Philosophen wie Michael Latimer.

Warum Organismen statt Roboter?
Roboter ergänzen perfekt – doch interstellare Biologie ist Neuland. Erdumlaufbahn-Tests reichen nicht. Unser NASA-Biosensor-Programm in Ames erweitert das. Zeit, es voranzutreiben.
Wann startet die Mission?
Mit Project Starlight kooperieren wir: Lasersegel-Antrieb könnte in 20 Jahren bereit sein. Laserpulse von Boden oder Schiff treiben das Segel wie Wind – Photonimpetus beschleunigt auf Bruchteile der Lichtgeschwindigkeit.
Physik getestet, Skalierung der Kilometer-Laserarrays der Knackpunkt. Wie CERNs 17-km-Ring machbar. Mit Fusionsenergie realistisch. Unser Paper soll Debatten anregen.