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Der Riesenkalmar: Größe, Aussehen, Habitat und faszinierende Fakten aus der Tiefsee

Als Tiefseebewohner sind Riesenkalmare (Architeuthis dux) extrem schwer zu erforschen. Unsere Erkenntnisse stammen größtenteils von gestrandeten Exemplaren oder Fängen in Fischernetzen. Moderne Tiefseekameras haben es Wissenschaftlern ermöglicht, sie mehrmals live zu filmen, doch ihr Verhalten und Lebenszyklus bergen noch viele Rätsel.

Wie groß wird ein Riesenkalmar?

Der Riesenkalmar ist der längste Kopffüßer der Ozeane – zu der Klasse der Cephalopoden gehören Kalmare, Tintenfische und Kraken. Obwohl Legenden von bis zu 20 Metern Länge berichten, erreichen wissenschaftlich dokumentierte Exemplare realistisch 12 bis 13 Meter. Das schwerste gut erhaltene Individuum wog 317,62 kg, typische Gewichte liegen bei 200–280 kg. Wer weiß, ob noch größere Exemplare existieren?

Der Riesenkalmar: Größe, Aussehen, Habitat und faszinierende Fakten aus der Tiefsee

Wie sieht ein Riesenkalmar aus?

Wie andere Kalmare besitzt der Riesenkalmar einen zylindrischen Mantel mit inneren Organen, Flossen am Ende, einen Kopf mit riesigen Augen und einem hornigen Schnabel sowie acht Arme und zwei längere Tentakel. Im Gegensatz zu kleineren Verwandten ist er gigantisch.

Die Mantellänge gilt als zuverlässiges Maß, da Arme und Tentakel dehnbar sind und die Gesamtlänge verzerren können.

Wie viele Tentakel hat ein Riesenkalmar?

Kopffüßer-Anhänge umfassen Arme mit Saugnapf-Reihen über die gesamte Länge und Tentakel mit Saugnapf-Clustern nur am Ende. Kalmare haben acht Arme und zwei Tentakel – so auch der Riesenkalmar. Männliche Exemplare nutzen einen spezialisierten Arm zur Befruchtung.

Die Saugnäpfe messen 2–5 cm im Durchmesser und sind mit scharfen Chitinzähnen bewehrt, die Beute sicher fixieren. Narben davon finden sich oft an Pottwalen, die Riesenkalmar als Beute jagten.

Der Riesenkalmar: Größe, Aussehen, Habitat und faszinierende Fakten aus der Tiefsee

Wann wurden Riesenkalmare entdeckt?

Bereits Aristoteles erwähnte in Historia Animalium große Tintenfische, Plinius der Ältere beschrieb Arme über neun Meter. Mythen wie der Kraken prägten Jahrhunderte. 1857 bestätigte Zoologe Japetus Steenstrup mit Berichten und einem Schnabel die Existenz und benannte Architeuthis dux.

DNA-Analysen eines 2004 gefangenen Exemplars vor den Falklandinseln, konserviert im Natural History Museum London, bewiesen: Es gibt nur eine Art.

Was fressen Riesenkalmare?

Magenanalysen zeigen Tiefseefische und andere Kalmare als Hauptbeute. Mit Tentakeln greifen sie zu, zerreißen mit Schnabel und Radula – einer gezahnten Zunge, wie bei vielen Weichtieren.

Was frisst den Riesenkalmar?

Trotz Größe und Intelligenz jagen Pottwale und Schlafhaie adulte Exemplare, Jungtiere fallen anderen Haien, Walen und Kopffüßern zum Opfer.

Wo leben Riesenkalmare?

Daten aus Pottwal-Tauchgängen und Netzfängen lokalisieren sie in 300–1.000 m Tiefe weltweit, außer tropisch und polar. Tiefere Habitate sind denkbar.

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Wie alt werden Riesenkalmare?

Statolithen – mineralisierte Strukturen in der Statozyste – zeigen Jahresringe. Riesenkalmare erreichen 5–6 Jahre, was für Kopffüßer alt ist, sagt Expertin Dr. Sarah McAnulty: „Die meisten leben nur 6–12 Monate. Tiefseearten wie der Krake Graneledone brüten Eier bis 4,5 Jahre.“

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Wie intelligent sind Riesenkalmare?

Kopffüßer lösen Probleme und bereichern Tanks. Riesenkalmare haben große Gehirne. Genom-Studien 2020 fanden 135 Protocadherin-Gene – ähnlich wie bei Wirbeltieren für Gehirnverkabelung –, was auf hohe Komplexität hindeutet.

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Wie groß sind die Augen eines Riesenkalmars?

Bis 27 cm Durchmesser – größer als bei den meisten Tieren (kolossale Kalmare toppen das). Seitlich platziert, ermöglichen sie Weitblick. Eine Studie in Current Biology (2012) erklärt: Sie spotten biolumineszente Spuren von Pottwalen, um zu fliehen.

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Was sind kolossale Kalmare?

Der kolossale Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) erreicht 10 m, wiegt aber bis 495 kg. Schnäbel messen bis 49 mm – Indiz für noch größere Exemplare.

Wann wurde der erste lebende Riesenkalmar fotografiert?

2004 filmten Dr. Tsunemi Kubodera und Kyoichi Mori vor Japan den ersten bei 900 m mit Köderkamera. 2012 gelang mit Edith Widders Medusa-Kamera das erste Video. Spätere Expeditionen zeigten Exemplare vor den USA.