Astronomen haben die Ursache der „großen Verdunkelung von Betelgeuse“ geklärt: Eine frisch gebildete Staubwolke verdeckt den Stern teilweise vor unseren Blicken.
Als einer der hellsten roten Überriesen, sichtbar mit bloßem Auge, ist Betelgeuse – der Stern an der rechten Schulter des Orion – Astronomenprofis und Amateuren bestens vertraut. Deshalb schockierte es viele, als seine Helligkeit ab Oktober 2019 abnahm.
Bis Februar 2020 sank der Stern auf nur 40 Prozent seiner normalen Helligkeit – ein historisches Tief.
Dieser Abfall weckte Spekulationen über eine bevorstehende Supernova: Der rote Überriese würde kollabieren und in einer Explosion aufgehen, heller als die Sonne tagsüber sichtbar. Doch in unserer Galaxie war seit Keplers Beobachtung 1604 keine Supernova mehr gesichtet worden.
Die Katastrophe blieb aus, und ab April 2020 leuchtete Betelgeuse wieder normal. Nun liefern hochauflösende Bilder vom Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) und Daten des GRAVITY-Instruments die Erklärung.

„Wir haben die Bildung von Sternenstaub direkt beobachtet“, erklärt Dr. Miguel Montargès vom Observatoire de Paris und der KU Leuven. „Erstmals sahen wir, wie sich das Erscheinungsbild eines Sterns innerhalb weniger Wochen verändert.“
Betelgeuses Oberfläche ist dynamisch: Riesige Gasblasen wachsen, schrumpfen und wandern. Vor der Verdunkelung entwich eine Blase, ein Teil der Oberfläche kühlte ab – ideal für die Kondensation zu festem Staub.
Diese Staubwolke verdunkelte den Stern aus unserer Sicht, vor allem in der südlichen Hemisphäre.
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„Staub aus kühlen Riesensternen wie dieser Ausstoß könnte Bausteine für erdähnliche Planeten und Leben liefern“, betont Doktorandin Emily Cannon von der KU Leuven.
„Sternenlicht wirkt ewig – die Verdunkelung von Betelgeuse zeigt: Nichts hält ewig.“