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Warum Pluto unser neunter Planet bleiben sollte: Ein Planetenforscher erklärt

Einige Themen wecken starke Emotionen: Ist Die Hard ein Weihnachtsfilm? (Ja.) Gehört Ananas auf Pizza? (Auch ja.) Ist Pluto ein Planet?

Als Planetenforscher und Geologe sage ich: Ja, Pluto ist ein Planet. Diese Sicht teile ich nicht mit allen Kollegen.

Wer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufwuchs, lernte neun Planeten kennen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto – sortiert nach zunehmender Entfernung von der Sonne. Hilfreiche Merkhilfen erleichterten das Auswendiglernen.

2006 änderte die Internationale Astronomische Union (IAU), die für Himmelskörper-Namensgebungen zuständig ist, dies per Abstimmung: Über Nacht sank die Planetenzahl von neun auf acht.

Von seiner Entdeckung 1930 bis in die 1990er galt Pluto als größtes Objekt im Kuipergürtel, einer fernen Region des Sonnensystems. Astronomen ahnten schon früh weitere ähnlich große Körper.

Die erste bestätigte Entdeckung eines Kuipergürtel-Objekts war 1992: 15760 Albion. Seitdem wurden über 2.000 Objekte katalogisiert; die tatsächliche Zahl von Körpern mit mehr als 100 km Durchmesser könnte in die Hunderttausende gehen.

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Hier liegt das Problem mit Plutos Status: Würde Pluto Planet bleiben, müssten viele Kuipergürtel-Objekte folgen – potenziell Hunderte. Klingt chaotisch?

(Vergleichen Sie: Hunderte Länder, Tausende Sprachen, 8,7 Millionen bekannte Tierarten.)

Um dies zu vermeiden, definierte die IAU 2006 in Prag drei Kriterien für Planeten:

  1. Umkreisung der Sonne (keine Exoplaneten oder Ausgestoßenen);
  2. Hydrostatisches Gleichgewicht (kugelförmig durch Schwerkraft);
  3. „Nachbarschaft räumen“ (gravitativ dominant).

Pluto scheiterte am dritten Kriterium und wurde zum „Zwergplaneten“.

Das „Räumen“ passt zur Erde, die den Mond dominiert. Im weitläufigen Kuipergürtel jedoch wären Distanzen größer – selbst die Erde könnte bei Neptun „unterworfen“ werden.

Dieses dynamische Kriterium ignoriert Lage und Geologie. Es zählt nur Masse und Position, nicht innere Prozesse.

Der New-Horizons-Flug 2015 offenbarte Plutos Vielfalt: Hochragende Eisberge, Stickstoffgletscher, Atmosphäre, eisiger Panzer über einem Wasser-Ozean auf felsigem Kern. Aktive Oberflächenprozesse bestätigen: Geologisch ist Pluto ein Planet.

Die IAU ist Astronomical, keine Geophysical Union. Astronomen priorisierten Orbit und Masse; Geologen betonen Oberfläche und Interior.

Warum Pluto unser neunter Planet bleiben sollte: Ein Planetenforscher erklärt

Fairerweise: Keine einfache Lösung. Die IAU-Definition schließt Exoplaneten aus (Anpassung angekündigt, aber 15 Jahre später offen). Natur ist nuanciert: Sollten wir Mond oder Ganymed (größer als Merkur) als Planeten werten?

Als Geologe: Warum nicht? Kategorien sind künstlich; Pluto ähnelt Mars geologisch mehr als Mars Saturn – doch beide sind Planeten.

Hunderte Planeten? Fantastisch! Kinder lernen sie wie Dinosaurier (ca. 700 Arten).

Besser „Lumper“ als „Splitter“ sein.

Ein weiteres Problem: Die „Optik“. „Zwergplanet“ impliziert Herabstufung, anders als „terrestrisch“ oder „Riese“. Öffentlichkeit sieht Demotion – „plutoed“ wurde Wort des Jahres 2006.

In Vorträgen fragt man zuerst nach Plutos Status, nicht nach seiner Geologie. Das schadet der Wissenschaftskommunikation.

Planeten können wir definieren, wie es sinnvoll ist. Hunderte im Sonnensystem? Möglich. Die IAU-Umklassifizierung war ein Fehler.

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