Als Neurowissenschaftlerin und Professorin am University College London ist Sophie Scott eine der führenden Expertinnen für menschliche Kommunikation. In den diesjährigen Royal Institution Christmas Lectures taucht sie tief in die faszinierende Welt der non-verbalen Signale ein – von der Wissenschaft des Lachens bis hin zu den Auswirkungen der Technologie auf unsere Interaktionen.
Wie viel unserer Kommunikation hängt wirklich von den gesprochenen Worten ab?
Worte sind ein zentraler Bestandteil, doch wir drücken uns auf vielfältige Weise aus. Nehmen Sie die Stimme: Auch ohne mich zu sehen, könnten Sie mein Alter, meinen regionalen Akzent, meine Stimmung oder sogar meinen Gesundheitszustand aus meiner Sprechweise erahnen. Stimmen verändern sich lebenslang. Bei Frauen werden sie in den Wechseljahren oft tiefer, bei Männern mit dem Alter höher. Soziale und kulturelle Einflüsse spielen ebenfalls eine Rolle: Vor der Pubertät sollten Jungen- und Mädchenstimmen ähnlich klingen, doch Jungen sprechen oft tiefer – sie imitieren bereits die Erwachsenen um sich herum.
Wir kommunizieren auch mit unserem Körper, oder?
Genau: Mimik, Blickkontakt und Körpersprache sind entscheidend. Viele Signale laufen unbewusst ab. Nach einem Gespräch erinnern wir uns meist an den Inhalt, weniger an die feinen Nuancen. Man kann sich trainieren, flüchtige Gesichtsausdrücke zu erkennen, doch letztlich hängt viel von der Interpretation des Gegenübers ab.
Können wir unsere Körpersprache gezielt verbessern?
Ja, Schauspieler, Tänzer und Sänger beherrschen das meisterhaft und wirken authentisch. Bei oberflächlichem Training wirkt es jedoch aufgesetzt – wie schlechte Schauspielerei. Wir Menschen sind Experten darin, Unechtheit zu spüren, sobald etwas nicht passt.
Lachen täuschen wir oft vor. Wie erkennt man ein unechtes Lachen?
Denken Sie an ein Mal, als Sie nicht aufhören konnten zu lachen: Das ist purer, spontaner Überschwang. Kontrolliertes Lachen setzt ein und hört schnell wieder auf – es dient der sozialen Interaktion und kann Spannungen lösen.

Warum lachen wir überhaupt?
Lachen ist nicht rein menschlich: Ratten quietschen ultrasonisch beim Kitzeln, Menschenaffen ebenfalls. Es dient der sozialen Bindung, oft beim Spielen mit Jungen. Bei Erwachsenen signalisiert es Zuneigung und Übereinstimmung – mehr als bloßer Humor.
Wie verändert Technologie unsere Kommunikation?
Abstandskommunikation gab es immer, etwa per Post. Wir nutzen Neues kreativ: SMS waren eine Überraschung. Studien von Evolutionspsychologe Robin Dunbar zeigen, dass Face-to-Face-Interaktionen (auch virtuell) glücklicher machen als reine Texte. Doch mit GIFs und Emojis könnte sich das wandeln. Kern bleibt: Wir lernen Sprache im echten Austausch.
Sind Emojis ein wirksames Mittel?
Sie ergänzen Satzzeichen emotional – wie Emoticons zuvor. Nicht überall passend (nicht ans Dekanat!), aber nützlich: Ein Daumen hoch ersetzt Lobtexte. Die Vielfalt an Zustimmungs-Emojis ist beeindruckend.
Was sollen Zuschauer aus Ihren Lectures mitnehmen?
Die Komplexität der Kommunikation – von Wespen-Signalen bis zur menschlichen Stimme. Die Lectures zeigen zudem Vielfalt in der Wissenschaft: Alter, Geschlecht egal – es gibt viele Wege.
Hören Sie das volle Interview mit Sophie Scott im Science Focus Podcast.
Sophie Scott präsentiert die diesjährigen Royal Institution Christmas Lectures auf BBC Four, 26.–28. Dezember.