DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Hellblade: Senua’s Sacrifice – Authentische Darstellung von Psychosen durch Expertenwissen

Das Spiel Hellblade: Senua’s Sacrifice holte sich 2018 fünf BAFTA Games Awards, darunter als bestes britisches Spiel. Es erzählt die Geschichte von Senua, einer traumatisierten keltischen Kriegerin, die die Seele ihres Geliebten aus der nordischen Unterwelt Hel retten will. Auf ihrer Reise quälen sie Halluzinationen und Wahnvorstellungen – Symptome einer Psychose. Die Entwickler bei Ninja Theory haben diese mit höchster Genauigkeit umgesetzt.

Hellblade erhielt Förderung vom Wellcome Trust. Das Team arbeitete eng mit Prof. Paul Fletcher (PF), Neurowissenschaftler und Psychose-Experten der University of Cambridge, zusammen. Wir sprachen mit Tameem Antoniades (TA), Creative Director bei Ninja Theory, über die sensible Darstellung psychischer Erkrankungen.

Wer ist Senua und was ist ihre Geschichte?

TA: Senua ist eine keltische Kriegerin aus dem späten 8. Jahrhundert. Ihre Heimat Orkney wurde von Wikingern überfallen, die ihren Geliebten den nordischen Göttern opferten. Sie reist in die Wikinger-Unterwelt Hel, um seine Seele zurückzuholen. Dabei erlebt sie Visionen, Stimmen und Wahnvorstellungen – Symptome, die wir heute als Psychose kennen.

Wie passt Senuas Psychose zu ihrer Hintergrundgeschichte?

PF: Senua hat die Welt schon immer anders wahrgenommen, doch das tiefe Trauma verschärft diese Symptome. Sie verliert den Bezug zur Realität ihrer Mitmenschen – die klassische Definition von Psychose. Jeder ist anfällig dafür, je nach Wahrnehmung. Traumata wirken oft als Auslöser.

https://www.youtube.com/watch?v=nfiS_PV3V-4

Wie flossen aktuelle Forschungsergebnisse zur Psychose in die Entwicklung ein?

PF: Wir stellten Symptome wie Stimmenhören und Halluzinationen dar, gingen aber tiefer: Normale Wahrnehmung ist eine kontrollierte Halluzination – wir ergänzen und erfinden oft. Das Spiel macht den Spieler sensibel für visuelle Illusionen. Psychose ist kein Extrem, sondern ein Kontinuum. Hellblade zeigt das eindrucksvoll.

Wie haben Sie subjektive Erfahrungen visuell umgesetzt?

TA: Senua hört innere Stimmen, die der Spieler mithört – mal harsch, mal hilfreich. Mit Stimmenhörern kooperierten wir für Realismus. Flashbacks werden als visuelle Halluzinationen gezeigt, Umgebungen verändern sich subtil: Bäume verschieben sich, Muster in Schatten erscheinen. Der Spieler löst Rätsel damit.

Was wollen Sie mit dem Spiel erreichen?

TA: Primär ein packendes Fantasy-Erlebnis für Erwachsene. Doch es schärft das Bewusstsein für Psychosen. Ich lernte: Halluzinationen sind nicht immer problematisch – die Krankheit entsteht durch Leid. Genesung bedeutet oft, damit umzugehen.

PF: Erfrischend: Senua ist keine Opferfigur, sondern Heldin, die ihre Erfahrungen meistert. Destigmatisierend! Im Gegensatz zu Klischees ist sie vielschichtig, nicht von ihrer Psychose definiert. Die Community mit Psychose-Erfahrung feiert diese Darstellung – basierend auf solider Wissenschaft.