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Das Lachen: Eine innere Eminenz in uns selbst

Wir werden versuchen, den Irrtum derjenigen zu vermeiden, die in ihren subtilen Auseinandersetzungen mit der Comic-Idee vergessen haben, dass Lachen ein körperlicher Akt ist.

- James Sully, Ein Essay über das Lachen, 1902

Mit achtzehn arbeitete ich als Pflegeassistentin in einem Langzeitkrankenhaus für Menschen mit Lernschwierigkeiten. In meiner zitronengelben Uniform badete, anzog und fütterte ich männliche Bewohner. Das Haus mit 400 Betten war Ende der 1960er-Jahre für die Langzeitpflege "geistig behinderter" Menschen errichtet worden. Viele waren als Kinder eingewiesen; ich lernte einen kennen, der wegen Fahrraddiebstahls festgenommen worden war, einen anderen, der auf Dächern geklettert war. Beide galten in der Schule als langsam, ihre Eltern klagten über schlechtes Benehmen. Kollegen bezweifelten, ob sie je die Mauern verlassen könnten. Hier erfuhr ich die harte Realität der Institutionalisierung.

Bei manchen Bewohnern steckten genetische Ursachen dahinter: Ich fütterte einen Jungen mit Cornelia-de-Lange-Syndrom, der keine Hände hatte und nicht sprechen konnte. Täglich kleidete ich einen älteren Mann mit Fragile-X-Syndrom an – eine genetische Störung, die Lernbehinderungen verursachen kann. Er ertrug meine Ungeschicklichkeit mit liebenswerter Gelassenheit. Als angehende Medizinstudentin fragten Kollegen in Pausen nach Syndromen und Medikamenten; ich konnte wenig helfen, doch der Job lehrte mich früh die Zerbrechlichkeit des Geistes. Unsere Gehirne sind fein abgestimmt, ihr Potenzial kann auf vielfältige Weise behindert werden. Gerade erst selbständig geworden, blickte ich in das Leben jener, die es nie erlangen würden.

Auf der Station lebte Henry, dessen Intellekt und Sprache dem eines Dreijährigen glich. Kahlköpfig, mit vergilbten Stumpfzähnen und einer neronischen Nase, lachte er ungehemmt und herzlich den ganzen Tag. Sein Ruhes Gesicht strahlte pure Heiterkeit aus. Er liebte Tanzen und Musik – Jimmy Shands Akkordeon war sein Hit. Bei Musik wirbelte er mich herum, bis wir beide lachend nach Luft japsten. Danach saßen wir ausruhend da, und Spannungen schienen sich gelöst zu haben.

Manchmal schlug sein Lachen in Schluchzen um: Tränen perlten, die Stimme stockte. "Was ist los?", fragte ich. Er schüttelte den Kopf, Schultern zuckend, bis er kichernd weitermachte – als sei das Leben ein Witz, gleichermaßen zum Weinen oder Lachen einladend.

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Grundsätzlich gibt es zwei Lacharten: spontanes auf Lustiges und soziales zur Interaktion. Mit den Jahren unterscheiden wir sie besser – bis in die Vierziger. Beide fördern Gesundheit: Regelmäßiges Lachen mindert Schmerzen, Angst, Depressionen, verbessert Schlaf, Energie und Wohlbefinden. Es weitet Blutgefäße, schützt Herz, stärkt Immunsystem. Kinderkliniken setzen Clowns ein, um Heilung zu fördern. "Lachen ist die beste Medizin – es sei denn, du hast Durchfall."

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Warum wir lachen? Es ist körperlich: gestörte Atmung, gerötetes Gesicht, schmerzende Seiten. Comedy kann Asthma auslösen – bei Patienten erlebt.

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1900 schrieb Henri Bergson "Lachen: Ein Essay über die Bedeutung des Komischen". Menschen leben in physischer und sozialer Welt. Lachen entsteht gesellschaftlich, glättet soziale Reibungen, stärkt Bindungen. Doch Kinder lachen früh, vor Verständnis für Witze – Bergson übersieht das.

Charles Darwin sah Lachen als Ausdruck reiner Freude, wie bei spielenden Kindern. Es reagiert auf Inkongruenzen, z.B. Mae Wests Ehe-Witz. Babys lachen über umfallende Türme, Kitzeln als gespielter Angriff. Lachbewegungen sind Gegenteil von Schreien – starkes Signal für gute Laune, lähmt andere Emotionen.

Soziales Lachen signalisiert Zugehörigkeit schneller als Worte. Aristoteles nannte es Eutrapelia: Tugendhafte Heiterkeit zur rechten Zeit. Humor ölt soziale Maschinen.

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Bei Henry flossen Tränen von Lachen und Trauer ineinander. Hippokrates notierte Wechsel unter Stress. Darwin: Chinesen lachen hysterisch in Trauer, Soldaten nach Gefahr. Bei Begräbnissen drängt Katharsis zum Lachen.

Neurologen kennen pathologisches Lachen/Weinen (PLC): Unkontrolliert durch Schlaganfall, MS etc., getrennt von Gefühlen, aus Hirnbasis-Kern. Henrys Gehirn reagierte überempfindlich. Kleinhirn koordiniert emotionalen Ausdruck. Fou rire prodromique warnt vor Schlaganfall.

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Später im Hospiz lief Comedy im TV. Nach Medikamenten folgten DVDs – Trost für alle. Zwischen Trauer und Kichern durchquerten wir emotionale Berge.

Thomas Hobbes: Lachen als plötzlicher Ruhm aus innerer Eminenz. Im Hospiz baute es Spannungen ab, schuf Solidarität, half Anpassung ans Sterben. Kein Zynismus, sondern Mut und Zusammenhalt.

Das Lachen: Eine innere Eminenz in uns selbst

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