Als erfahrener Autor zu Ernährung und Gesundheit werde ich oft gefragt, welches moderne Problem in 50 Jahren mit demselben Entsetzen betrachtet wird wie heute das Rauchen. Die Antwort: Diäten. Unsere Enkel werden sich wundern, warum wir geglaubt haben, dass kurzfristiges Hungern Gewicht dauerhaft kontrollieren könne – und warum wir menschliche Körper in eine einheitliche Form pressen wollten.
In Großbritannien haben fast die Hälfte der Menschen im letzten Jahr eine Diät gemacht. Studien zeigen: Die meisten holen alle Kilos zurück und wiegen am Ende sogar mehr. Langfristige Verhaltensforschung belegt, dass Diäten einer der stärksten Vorhersagefaktoren für zukünftige Gewichtszunahme sind. Zwillingstudien deuten auf einen kausalen Zusammenhang hin: Unser Fokus auf Fettreduktion führt paradoxerweise zu mehr Gewicht.
Trotz medialer Botschaften ist Körperfett selten voll kontrollierbar. Gene sind ein Hauptfaktor – bei freier Nahrungsverfügbarkeit gilt Gewicht als eines der erblichsten Merkmale, vergleichbar mit Körpergröße. Physiologische Mechanismen wie Leptin, produziert vom Fettgewebe, spielen eine Rolle: Beim Abnehmen sinkt der Leptinspiegel, was primitive Hirnteile aktiviert und einen unwiderstehlichen Hunger auslöst – ähnlich wie unser Atembedürfnis.
Noch schlimmer: Hormone drosseln den Stoffwechsel bei Nahrungsmangel, schalten unwesentliche Funktionen ab und sparen Kalorien. Diese uralten Systeme unterscheiden nicht zwischen Diät und Hungersnot. Folgen sind Lethargie, Stimmungsschwankungen, geschwächtes Immunsystem und reduzierter Sexualtrieb.
Wiederholte Diätversuche schaden auch psychisch: In einer dünnheitsfixierten Gesellschaft fühlen sich Betroffene als Versager. Statt dieses Teufelskreises: Besser Sport, hochwertige Ernährung, Nichtrauchen, guter Schlaf und Stressreduktion priorisieren. Diese Maßnahmen fördern Gesundheit und Wohlbefinden – unabhängig vom Gewicht. Doch in unserer fettbesessenen Welt gelten sie oft nur als Mittel zum Abnehmen.
Fett als einziges Übel zu sehen, nährt eine Industrie mit Wunderdiäten. Vielleicht liegt das Problem nicht in der 'richtigen' Diät, sondern in unserer Weigerung, vorübergehendes Hungern als unwirksamen Weg zur Gesundheit zu erkennen.