In einer bahnbrechenden Studie zur langjährigen Debatte über die Intelligenzförderung durch Stillen haben Forscher des Children’s National Hospital in Washington, DC, festgestellt, dass Muttermilch die Konzentration bestimmter Chemikalien im Babygehirn steigert – Stoffe, die eng mit der neuronalen Entwicklung verknüpft sind.
Stillen bietet Babys nachweislich vielfältige gesundheitliche Vorteile: Es schützt vor Infektionen und senkt das Risiko für Fettleibigkeit, Leukämie im Kindesalter sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter.
Ob Stillen die Intelligenz direkt verbessert, bleibt jedoch umstritten. Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse, da es schwierig ist, den Effekt des Stillens von anderen Intelligenzfaktoren zu isolieren.
Die aktuelle Untersuchung am Children’s National Hospital ergab: Muttermilch erhöht die Mengen an biochemischen Substanzen, die für Gehirnwachstum und -entwicklung essenziell sind – ein früher Indikator für potenzielle kognitive Vorteile.
Die Studie fokussierte auf „Mikrofrühchen“, extrem Frühgeborene (23. bis 32. Schwangerschaftswoche), die in der ersten Lebenswoche auf der Neonatologie-Intensivstation versorgt wurden.
Mithilfe der nicht-invasiven Protonen-Magnetresonanzspektroskopie scannten die Wissenschaftler das Babygehirn und identifizierten chemische Signaturen relevanter Biomoleküle.
„Wir können die Gehirngesundheit des Babys zu einem bestimmten Zeitpunkt präzise erfassen“, erklärt Dr. Catherine Limperopoulos, leitende Autorin und Direktorin des Developing Brain Research Laboratory am Children’s National.
Im Fokus standen die vordere weiße Substanz und das Kleinhirn – bei Frühgeborenen besonders vulnerable Regionen, deren Entwicklungsstörungen später zu kognitiven und Verhaltensproblemen führen können.
Gestillte Babys wiesen signifikant höhere Werte an Schlüsselsubstanzen auf als Formelmilch-geführte: Mehr Inosit (glukoseähnliches Molekül), Kreatin (für intrazelluläre Energie) und Cholin (vitaminähnlicher Nährstoff), korrelierend mit der Dauer der Muttermilchzufuhr.
„Diese Biochemikalien sind Marker der Gehirnentwicklung“, betont Limperopoulos. „Höheres Cholin im Gehirn hängt mit besserem Gedächtnis und Kognition zusammen. Eine direkte Kausalität bei Neugeborenen können wir nicht beweisen, doch dies könnte ein früher Indikator für höhere Intelligenz sein. Folgestudien werden das klären.“
„Diese Ergebnisse begeistern uns: Sie beleuchten die negativen Effekte einer Frühgeburt auf das sich entwickelnde Gehirn und zeigen, wie optimale Pflege – inklusive Muttermilch – Hochrisiko-Säuglinge schützen kann.“