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Der wahre Fluch der Lepra: Soziales Stigma statt medizinischer oder spiritueller Bedrohung

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich geirrt, als er den Nationalismus kürzlich als sich in Europa ausbreitende Lepra bezeichnete – es sei denn, er meinte, sie sei langsam fortschreitend, leicht behandelbar und für die meisten harmlos. Doch das glaube ich nicht.

Wie viele Menschen versteht er die Krankheit nicht und assoziiert 'Lepra' mit einem biblischen Fluch. Das ist problematisch. Ärzte kennen die Hansen-Krankheit (HD) gut, doch Missverständnisse wie Macrons verstärken Ängste, zerstören Leben und verhindern Behandlungen mit einfachen Antibiotika.

Seit meinem sechsten Lebensjahr wuchs ich inmitten von Lepra-Patienten auf, ohne je erkrankt zu sein – ebenso wie niemand in meiner Familie. Sie ist extrem schwer ansteckend: 95 % der Bevölkerung sind immun. Das Bakterium Mycobacterium leprae breitet sich nur langsam aus. Und sie ist heilbar: Das Mittel wurde 1943 im Krankenhaus entdeckt, wo mein Vater später arbeitete.

Mein Vater war Tropenmediziner. Er lernte meine Stiefmutter im National Hansen’s Disease Center in Carville, Louisiana, kennen. Sie pflegte Patienten mit typischen Folgen unbehandelter HD – verkrüppelten Händen, Füßen und entstellten Gesichtern durch Nervenschäden. Sie berührte sie täglich, mein Vater forschte am Bakterium. Beide blieben gesund.

Hätten sie sich angesteckt, wäre es eine Kleinigkeit gewesen – wie bei BB, die ich für die BBC interviewte. Als Teenager diagnostiziert, lebte sie nahe Carville in Baton Rouge. Ihr Arzt erkannte den Ausschlag sofort und behandelte sie erfolgreich. Keine bleibenden Schäden.

Weit weg von Carville gilt HD als mythische, sündverbundene Plage. Viele, sogar Ärzte, halten sie für ausgerottet.

Franz, den ich interviewte, saß im Rollstuhl, schwer behindert. Vor einem Jahrzehnt begannen Schmerzen in Händen und Füßen. In Portland diagnostizierte man nichts. Zehn Jahre litt er, bis vor drei Monaten die HD-Diagnose fiel und er nach Baton Rouge zur Behandlung kam.

Der Fluch der Hansen-Krankheit ist weder spirituell noch medizinisch – er ist rein sozial. Um ihn zu brechen, müssen wir mit sensiblen Metaphern wie Macrons aufhören.