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Warum Sündenböcke und Schuldzuweisungen in Politik und Gesellschaft scheitern

Die jüngsten Jahre in der Weltpolitik waren von Chaos geprägt. Politiker wetteifern in absurden Nullsummenkonflikten – von der russischen Einmischung in die US-Wahl 2016 bis zur britischen Wirtschaftskrise – mit ohrenbetäubender Kakophonie.

Unabhängig von Ihrer politischen Haltung hat sich der Diskurs vom konstruktiven Austausch zur öffentlichen Demütigung gewandelt. Komplexe Themen wie nationale Identität, wirtschaftliche Stabilität und Ressourcenmanagement werden auf Schuldzuweisungen und Sündenböcke reduziert.

Der Ursprung des Sündenbocks reicht bis ins Buch Levitikus zurück: Dort wird beschrieben, wie man zwei Ziegen nimmt – eine opfert man den Göttern, die andere belädt man rituell mit den Sünden der Gemeinde und vertreibt sie in die Wüste, um scheinbar reine Bürger zurückzulassen.

Heute halten wir keine Ziegen parat, doch Politiker meistern die Kunst, enge Verbündete zu beschuldigen und zu verstoßen. Prof. Kathryn McClymond beschreibt in der Novemberausgabe 2018 der Zeitschrift Religions, wie Donald Trump wiederholt die Aufmerksamkeit auf Weggefährten lenkt, inklusive seines eigenen Sohnes.

Forscher Burcu Savun und Christian Gineste analysieren in der Dezemberausgabe 2018 von The Journal of Peace Research die Sündenbock-Politik von 1996 bis 2015. Hier ihre Tipps für diese Taktik:

Erstens: Wählen Sie Sündenböcke, die sich nicht wehren können – Machtlose, Außenseiter oder Einwanderer. Zweitens: Nutzen Sie den Moment nach einer nationalen Bedrohung, um Haftung zu lockern. Flüchtlinge werden dann häufiger angegriffen, oft ohne Konsequenzen für die Täter.

Bevor Sie verzweifeln: Solche Mechanismen durchlaufen wir alle in der Kindheit mit einem 'Ich war’s nicht!'. Das Loslassen von Schuld ist ein Schritt zur persönlichen Verantwortung. Doch es bringt keinen Frieden.

Es ist Zeit, selbst Verantwortung zu übernehmen. Mit digitalen Plattformen können wir Politikern vorleben, was Reife bedeutet: Statt Schuldzuweisungen unseren Anteil eingestehen und den Lärm dämpfen.