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Expertenblick: Die Wahrheit über E-Zigaretten und das Verbot in San Francisco

San Francisco ist kürzlich die erste US-Stadt geworden, die den Verkauf von E-Zigaretten verboten hat. Begründung: Die langfristigen gesundheitlichen Folgen des Dampfens sind unbekannt, und die Nutzung unter Jugendlichen steigt. Kritiker warnen jedoch, dass dies ehemalige Raucher zu herkömmlichen Zigaretten zurücktreiben könnte. Professor John Britton, Direktor des UK Centre for Tobacco & Alcohol Studies an der University of Nottingham, gibt fundierte Einblicke.

Was halten Sie von San Franciscos Verbot von E-Zigaretten?

Dieses Verbot gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Die USA, insbesondere San Francisco, erleben eine Art moralische Panik. Letztes Jahr kam es zu einem starken Anstieg der Nutzung eines neuen Produkts mit hohem Nikotingehalt – es sieht aus wie ein USB-Stick und wird so aufgeladen.

Das war kein Thema, bis 2018-Daten zeigten: Während die Raucherquote bei Jugendlichen weiter sank, stieg das Dampfen stark an. Dies wurde als Gefahr für eine neue Generation von Nikotinsüchtigen gewertet – und führte zum Verbot.

Wird das Verbot wirksam sein?

Es ist eine massive Überreaktion. In den USA wird Dampfen nie als Raucherentwöhnungsmittel empfohlen wie in Großbritannien, und Werbung für E-Zigaretten an Jugendliche war nie verboten. Die betroffene Marke wurde massiv in sozialen Medien beworben.

Sie bekommen, was Sie fordern – doch ein Verkaufsverbot ist undurchsetzbar. Man kauft einfach außerhalb der Stadt. Das echte Problem: Werbung und Verkauf an Kinder, nicht die Produkte selbst.

Machen Aromen wie Mango oder Kirsche E-Zigaretten für Kinder attraktiv?

Daran könnte etwas dran sein. Doch viele Raucher – ich war keiner, daher schwer vorstellbar – finden den Nikotindampf schwer ertragbar. Aromen machen es für Erwachsene nutzbar.

Hier gilt: Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Aromen für Jugendliche verbieten, ja – aber nicht Millionen Raucher am Umstieg hindern, der ihr Leben verlängert.

Im Vereinigten Königreich rät der NHS explizit zu E-Zigaretten beim Rauchstopp.

Ja, Nikotinersatztherapien und E-Zigaretten sind der effektivste Weg. Eine Studie im New England Journal of Medicine zeigte: In Großbritannien hörten Raucher mit E-Zigaretten plus Standardtherapie doppelt so oft auf. Sie wirken – fördern Sie sie!

E-Zigaretten simulieren das Raucherlebnis...

Raucher wollen aufhören, wissen um die Schäden, finden aber keinen Ersatz. Sie brauchen Nikotin in ausreichender Dosis – was Pflaster oft nicht leisten – plus soziales Ritual.

Man dampft mit Freunden, ohne Ausgrenzung. Ein Pflaster? Sieht lächerlich aus.

Sind E-Zigaretten risikofrei? Was sagt die Forschung?

Sie existieren seit 15 Jahren, in Großbritannien seit sieben weit verbreitet. Millionen Nutzer, keine signifikanten Nebenwirkungen. Kurzfristig sicher.

Langfristig: Heißer Dampf mit Stoffen kann Lungen schädigen – doch Konzentrationen sind minimal im Vergleich zu Tabakrauch. Für Nichtraucher: Finger weg! Für Raucher: Sofort umsteigen.

Schadet Nikotin dem Herz-Kreislauf-System?

Nein. Nikotins Wirkung ähnelt Koffein. 80 % der Briten sind koffeinsüchtig. Kritiker, die Nikotin als Gift brandmarken und Kaffee trinken, widersprechen sich.