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Revolutionäres Mikroimplantat der University of Alberta: Gehen bei Rückenmarksverletzungen wieder möglich

Ein bahnbrechendes elektrisches Wirbelsäulenimplantat aus der University of Alberta könnte Patienten mit schweren Rückenmarksverletzungen bald wieder auf die Beine bringen. In Studien an Makaken hat es sich als hoch wirksam erwiesen. Die Forscher rechnen damit, dass es in nur einem Jahrzehnt für den Einsatz beim Menschen zugelassen wird.

„Wir glauben, dass die intraspinale Stimulation selbst Menschen dazu bringen wird, immer länger und vielleicht sogar schneller zu gehen“, erklärt die leitende Forscherin Dr. Vivian Mushahwar vom Neuroscience and Mental Health Institute der University of Alberta. „Das wird ihre Kerntherapie. In den letzten 20 Jahren gab es in den Neurowissenschaften eine Wissensexplosion. Wir stehen unmittelbar davor, Mensch und Maschine zu verschmelzen.“

Das Implantat nutzt haarfüine elektrische Drähte, die tief in die graue Substanz der Wirbelsäule eindringen und gezielte Signale senden. So werden die vorhandenen Netzwerke aktiviert, die genau wissen, wie sie Muskeln koordinieren.

Zusätzlich hat das Team eine detaillierte Karte des Rückenmarks erstellt, die genau zeigt, welche Bereiche Hüfte, Knie, Knöchel und Zehen steuern und wie Bewegungen synchronisiert werden.

Viele denken, das Gehirn übernimmt alles – doch das Rückenmark besitzt eine eigene Intelligenz, betont Mushahwar. Es steuert via motorischer und sensorischer Netzwerke Funktionen wie Atmung oder Darmtätigkeit. Das Stammhirn gibt nur grobe Kommandos wie „Los!“ oder „Schneller!“. Das Rückenmark sorgt für natürlichen Gang und Muskelkoordination.

Die Fähigkeit, Stehen und Gehen zu kontrollieren, verbessert Knochengesundheit, Darm- und Blasenfunktion und minimiert Druckgeschwüre, so die Experten. Bei leichteren Verletzungen könnte es monatelange anstrengende Physiotherapie ersetzen.

Nächste Schritte: Miniaturisierung des implantierbaren Stimulators und Zulassung durch Health Canada sowie FDA für Humanstudien. Die erste Generation wird physisch gesteuert, zukünftige Versionen könnten direkt mit dem Gehirn verbunden sein.

„Stellen Sie sich die Zukunft vor“, sagt Dr. Mushahwar. „Eine Person denkt nur daran – und Befehle erreichen das Rückenmark. Die Leute stehen auf und gehen. Das ist unser Traum.“