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Können Smartphone-Apps unsere psychische Gesundheit wirklich verbessern? Expertenanalyse

Smartphones haben in Bezug auf die psychische Gesundheit oft einen negativen Ruf: Studien verbinden übermäßigen Gebrauch mit Einsamkeit, Depressionen und Schlafstörungen.

Doch eine wachsende Wellness-Bewegung nutzt diese Geräte positiv. Eine Suche nach „psychische Gesundheit“ im App Store oder Google Play ergibt Hunderte Apps, die sich auf alle Facetten unserer Psyche konzentrieren – von Stimmungs-Trackern über Meditationshilfen bis hin zu Therapie-Chatbots.

Apps bewerten den Geisteszustand, tracken Gefühle und Gedanken, bieten Techniken wie Meditation oder kognitive Verhaltenstherapie und sogar Chatbots als Therapieersatz.

Laut einer NHS Digital-Umfrage von 2014 leidet jeder Sechste wöchentlich unter Depressionen oder Angststörungen. Können Apps bei der Überlastung psychiatrischer Dienste helfen, insbesondere für diejenigen ohne Zugang zu klassischer Therapie?

„Jedes Land hat begrenzten Zugang zu psychiatrischer Versorgung. Apps könnten evidenzbasierte Behandlungen zur richtigen Zeit anbieten“, erklärt Dr. John Torous, Direktor der Digital Psychiatry Division am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston und Leiter der APA-Arbeitsgruppe zu Smartphone-Apps.

Torous betont jedoch das Potenzial: Aktuell fehlen Belege für Apps als vollwertigen Therapieersatz.

In einer Metaanalyse von 19 Studien (Dezember 2019, npj Digital Medicine) schlossen Psychologen aus Deutschland und den Niederlanden: „Smartphone-Apps als eigenständige Intervention sind derzeit nicht empfehlenswert.“

Fühlen Sie sich „appy“?

Apps wirken am besten ergänzend zu Therapie und unter professioneller Anleitung, sagt Torous.

Eine Metaanalyse (September 2019) aus Australien, Schweden und den Niederlanden zeigte: Die Wirksamkeit bei Depressionen verdoppelt sich mit Therapeutenbetreuung. „Apps ergänzen, ersetzen nicht“, betont Torous.

Trotzdem: Apps nicht aufgeben. Sie können individuell helfen – als Einstieg zur Hilfe oder Brücke zur Therapie –, wenn sorgfältig ausgewählt.

Vorsicht: Manche Apps geben falsche Ratschläge oder übertreiben Claims. Torous' Team analysierte 73 Top-Apps: Nur eine nannte eine Studie.

App-Auswahl: Unsere Tipps

Torous' Top-Ratschläge: „Wählen Sie Apps, die in den letzten 180 Tagen aktualisiert wurden – veraltete Infos sind riskant. Vertrauen Sie bekannten Entwicklern.“

Prüfen Sie die Datenschutzrichtlinie: „Ohne rote Flagge! Teilen Sie sensible Daten nur transparent.“

Starten Sie mit der NHS Apps Library: 20 geprüfte Apps für Psyche (Effektivität, Sicherheit, Stabilität).

Teilen Sie den App-Gebrauch mit Freunden oder Familie: „Accountability steigert Adhärenz – gehen Sie nicht allein.“

Apps sind jung: Psychiatrie braucht Jahrhunderte, Apps nur Jahre. Torous: „Beweise fehlen noch, doch das Potenzial für besseren Zugang treibt Innovationen.“

Digitale Psychiatrie: Ein Blick in die Zukunft

Die mindLAMP-App von Torous' Team (Beth Israel Deaconess) zeigt Perspektiven: Umfragen zu Symptomen, Gehirnspiele für Kognition, Ort- und Sozial-Tracking.

Integriert mit Google Fit/Apple HealthKit (Schritte, Herzrate), plus Achtsamkeitsspiele.

Studie (September vorigen Jahres): Psychose-Patienten nutzten sie 3 Monate. Individuelle Muster, z. B. sinkende Symptome bei Medikamententreue oder gutem Schlaf.

„Jeder erzeugt einzigartige Muster – ideal für personalisierte Therapie“, schreiben die Forscher. Open-Source für breitere Studien.

Derzeit studienbasiert, bald frei verfügbar.