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Warum leben Frauen länger, aber leiden öfter unter Krankheiten? Fakten zur Frauengesundheit

Über alle Kulturen hinweg leben Frauen im Durchschnitt länger als Männer. Lange hielt man risikobereites Verhalten von Männern für die Hauptursache – Unfälle, Arbeitsverletzungen oder Kriege. Doch Studien zeigen: Das erklärt die Lücke nicht vollständig. Die schockierende Wahrheit? Niemand kennt den genauen Grund, warum Frauen länger leben.

Einige Expert:innen vermuten ein stärkeres, flexibleres weibliches Immunsystem, das schon früh schützt. Weibliche Frühgeborene überleben durchweg häufiger als männliche. Ade, Mythos vom "schwachen Geschlecht"! Doch diese Flexibilität birgt Risiken: Frauen erkranken öfter an Autoimmunstörungen. Ein medizinisches Sprichwort fasst es zusammen: "Männer sterben früher, Frauen sind länger krank."

Frauen machen 75 % der Autoimmunpatient:innen aus und tragen einen großen Teil der globalen Schmerelast. Eine internationale Studie von 2008 ergab: 45 % der Frauen vs. 31 % der Männer leiden unter chronischen Schmerzen. Bei allen chronischen Schmerzerkrankungen ist die Prävalenz bei Frauen höher – besonders in den reproduktiven Jahren, was Lebensqualität und Chancen stark beeinträchtigt. Während sich die Verteilung bei Männern mit dem Alter angleicht, bleibt der Frauenanteil hoch.

Wie Maya Dusenbery in Doing Harm beschreibt: "Bei der 'aktiven' Lebenserwartung – Jahren ohne schwere Einschränkungen – haben Männer Frauen in den letzten drei Jahrzehnten überholt. Frauen leben länger, Männer gesünder."

Erkrankungen, die Frauen stärker betreffen, sind oft unterforscht. Das führt zu Wissenslücken, die Behandlungen und Wahrnehmung in der Medizin verzerren.

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Diese Faktoren treiben Frauen häufiger zum Arzt – nicht nur bei Krankheiten, sondern auch für Verhütung oder Notfallmaßnahmen. Manche Besuche bergen Risiken und erfordern Interventionen, doch Routinekontrollen zur Antibabypille fehlen oft an Evidenz.

In Neuseeland wurde die Pille 2017 rezeptfrei in Apotheken freigegeben – unterstützt vom Royal Australian and New Zealand College of Obstetricians and Gynaecologists. Ein ähnlicher Vorschlag scheiterte 2018 in Australien: Die Australian Medical Association warnte vor verpassten Präventionschecks.

Stellen Sie sich vor, Männer müssten Kondome ärztlich verschrieben bekommen – absurd! Ein erfahrener Arzt betont: Die Morgen-nach-Pille sei "sicherer als Panadol". Kein Grund für Rezepte, außer Zugangsbeschränkungen. Bei IUDs oder Implanon braucht es Expertise zum Einsetzen, danach nicht. Orale Pillen könnten Apotheker:innen mit Kontrollen abgeben.

Ähnlich bei Abtreibungen: Sie sollten im öffentlichen System Standard sein, wenn es ein Recht ist. Medikamentöse Varianten erfordern Aufsicht wegen Risiken – doch mehr Ärzt:innen sollten sie anbieten.

Ein Ungleichgewicht: Frauen werden unnötig zu Checks gezwungen, wo nötig fehlt Zugang. Die enge Arzt-Patientin-Beziehung ist entscheidend, wird aber durch gesellschaftlichen Sexismus beeinflusst.

Gynäkologin und Schmerzexpertin Dr. Susan Evans sieht Sexismus als Summe kleiner Faktoren: Unsichtbarer Frauenschmerz, kulturelle Vorurteile, mangelnde Priorisierung von Gynäkologie, zu wenige Frauen in Führungspositionen, Tabus um Intimbereiche und wirtschaftliche Nachteile. "Frauenthemen werden bei jedem Schritt depriorisiert."