Mehr als 40 Prozent der Übertragungen von SARS-CoV-2 erfolgen vor dem Auftreten von Symptomen bei der infizierten Person, wie eine aktuelle Studie nahelegt.
Experten der University of Hong Kong berichten, dass COVID-19-Patienten bereits zwei bis drei Tage vor den ersten Symptomen das Virus ausscheiden und damit ansteckend werden können.
Eine Modellstudie zeigt, dass Faktoren wie das serielle Intervall – die Zeit zwischen aufeinanderfolgenden Fällen in einer Übertragungskette – und die Inkubationszeit die Wirksamkeit von Eindämmungsmaßnahmen maßgeblich beeinflussen.
Ist das serielle Intervall kürzer als die Inkubationszeit, deutet das auf eine Übertragung vor Symptombeginn hin. Kontrollmaßnahmen, die erst bei Symptomen starten, sind daher weniger effektiv, betonen die Forscher.
Eric Lau von der School of Public Health der University of Hong Kong und Team analysierten Virusausscheidungsmuster bei 94 COVID-19-Patienten im Achten Volkskrankenhaus in Guangzhou, China.
Von Symptombeginn bis Tag 32 wurden 414 Rachenabstriche genommen. Die höchste Viruslast zeigten die Patienten zu Symptomenbeginn.
Zusätzlich modellierten sie Infektiositätsprofile aus 77 Übertragungspaaren aus öffentlichen Daten, bei denen ein klarer epidemiologischer Zusammenhang bestand.
Daraus ergab sich: Die Ansteckungsgefahr startet 2,3 Tage vor Symptomen und erreicht ihren Peak 0,7 Tage davor.

44 Prozent der sekundären Fälle entfallen auf die präsymptomatische Phase; die Infektiosität nimmt innerhalb von sieben Tagen rapide ab.
Die Studie in Nature Medicine fordert: "Krankheitsbekämpfungsmaßnahmen müssen eine erhebliche präsymptomatische Übertragung berücksichtigen."
Eine Limitation: Die Studie basiert auf Patientenerinnerungen zum Symptombeginn, was Verzerrungen verursachen könnte.
Babak Javid, leitender Forscher an der Tsinghua University School of Medicine und Infektionsberater an den Cambridge University Hospitals, bestätigt: "Bei den meisten Patienten erfolgt die Virusausscheidung vor oder zum Symptombeginn."
"Knapp die Hälfte der Übertragungen in bekannten Paaren war präsymptomatisch – entscheidend für öffentliche Gesundheitsmaßnahmen wie Maskenpflicht für Gesunde."

Die Studie untermauert frühere Befunde zur maximalen Viruslast vor Symptomen.
Prof. Javid kritisiert: Aktuelle WHO- und Regierungsempfehlungen gehen von post-symptomtischer Höchstansteckung aus und raten Asymptomatischen nicht zu Masken.