Forscher des McLellan Labs in Austin, Texas, arbeiten an einer innovativen Behandlung für SARS-CoV-2 basierend auf Antikörpern aus Lamas. Diese Nanokörper greifen gezielt die Spike-Proteine auf der Virusoberfläche an und verhindern so das Eindringen in menschliche Zellen.
Wir haben mit Daniel Wrapp, Doktorand im McLellan Lab, gesprochen – einem Experten mit fundierten Kenntnissen in der Virologie.
Was ist ein Spike-Protein und welche Rolle spielt es?
Das Spike-Protein schmückt die Oberfläche von Coronaviren und bindet an Rezeptoren auf Wirtszellen. Dadurch verschmilzt die Virusmembran mit der Zellmembran, das Virus dringt ein und startet die Replikation. Es ist der Schlüssel für die Infektion: Funktioniert das Spike nicht, ist das Virus neutralisiert und harmlos.
Warum Lamas in Ihrer Forschung?
Kameliden wie Lamas, Alpakas und Kamele produzieren einzigartige kleine Antikörper, sogenannte Nanokörper. Sie sind halb so groß wie menschliche Antikörper, dadurch stabiler und können in enge Spalten binden, wo konventionelle Antikörper versagen.
Ihre Arbeit startete mit SARS-CoV-1.
Seit 2016 immunisierten wir ein Lama mit Spike-Proteinen von MERS und SARS-CoV-1 – lange vor der Pandemie. Als SARS-CoV-2 auftauchte, verglichen wir Sequenzen: Die Bindungsstelle war konserviert. Tests zeigten starke Bindung. In Zellkulturen blockierte der Antikörper Infektionen erfolgreich. Unser Lab erzeugte als Erstes die atomare Struktur des SARS-CoV-2-Spikes, publiziert in Science im Februar.

Wir nutzten unsere vorbereiteten Reagenzien – der Test war unkompliziert.
Präklinische Studien im Gang?
Ja, in Kooperation mit der Universität Gent testen wir an Hamstern. Sicherheitsherausforderungen verzögern die Virusinfektion, doch sie beschleunigen den Prozess. Nächster Schritt: Nicht-menschliche Primaten, dann Klinikstudien.
Zeitrahmen?
Im besten Fall ein Jahr bis zur Zulassung für Patientenbehandlungen.

Verabreichung beim Patienten?
Per Injektion wie herkömmliche Antikörpertherapien. Der Vorteil: Sofortwirkung bei Infizierten, Reduktion der Virenlast und Symptomlinderung – im Gegensatz zu Impfstoffen.
Unterschied zu Impfstoffen?
Impfstoffe brauchen 2 Monate, um das Immunsystem zu trainieren – nutzlos bei akuter Infektion. Antikörper helfen direkt Infizierten zur Genesung.
Auch prophylaktisch einsetzbar, z. B. bei Risikogruppen?
Absolut, besonders für Pflegekräfte: Reduziert Infektionsrisiko bei Patientenkontakt.