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COVID-19: Besorgniserregender Anstieg seltener Hirnentzündungen bei Erwachsenen

Eine seltene Form der Gehirnentzündung, die typischerweise durch Virusinfektionen ausgelöst wird, nimmt seit der COVID-19-Pandemie zu, wie Wissenschaftler des University College London (UCL) berichten.

Akut disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) betrifft Gehirn und Rückenmark und tritt vor allem bei Kindern auf. Sie folgt oft einer harmlosen Infektion wie einer Erkältung und führt dazu, dass Immunzellen die schützende Myelinschicht der Nerven angreifen.

Die UCL-Forscher beobachteten während der Pandemie einen "besorgniserregenden Anstieg" von ADEM-Fällen bei Erwachsenen. Ihre Ergebnisse, publiziert in der renommierten Fachzeitschrift Brain, unterstreichen die Notwendigkeit, auf mögliche neurologische Folgen von COVID-19 zu achten – für eine frühe Diagnose und bessere Behandlungschancen.

Dr. Michael Zandi, Neurologe am UCL Queen Square Institute of Neurology und am University College London Hospitals NHS Foundation Trust sowie leitender Autor der Studie, erklärt: "Wir haben mehr Fälle neurologischer Erkrankungen wie Hirnentzündungen festgestellt als erwartet. Diese korrelieren nicht immer mit der Schwere der Atemwegssymptome."

"Wir sollten wachsam bleiben und bei Genesenden von COVID-19 auf solche Komplikationen achten", betont er und fügt hinzu: "Es bleibt abzuwarten, ob wir eine großangelegte Epidemie hirnschädigender Langzeitfolgen erleben werden."

Neben ADEM fanden die Forscher weitere neurologische Komplikationen wie Delirium, Schlaganfall und peripheren Nervenschaden. In ihrer Analyse von 43 Patienten mit bestätigtem oder vermutetem COVID-19 – Alter 16 bis 85 Jahre, behandelt im National Hospital for Neurology and Neurosurgery (UCLH) – traten bei manchen gar keine Atemwegsymptome auf.

Die Studie ergab: 10 Fälle vorübergehender Hirnfunktionsstörungen mit Delirium, acht Schlaganfälle, acht Nervenschäden und 12 Hirnentzündungen, davon neun als ADEM klassifiziert.

SARS-CoV-2, das Erreger von COVID-19, wurde in keinem Fall im Liquor (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) nachgewiesen. Stattdessen deuten Befunde auf eine immunvermittelte Entzündung hin: "Einige neurologische Komplikationen könnten eher durch die Immunreaktion als durch das Virus selbst entstehen", schlussfolgern die Experten.

Weitere Forschungen sind essenziell, um zu verstehen, warum nur bestimmte Patienten betroffen sind.

Dr. Ross Paterson, ebenfalls am UCL Queen Square Institute of Neurology und Mit-Erstautor, warnt: "Da COVID-19 erst seit wenigen Monaten bekannt ist, kennen wir die langfristigen Schäden noch nicht."

"Ärzte müssen sensibilisiert sein: Frühe Diagnose verbessert Outcomes. Genesende sollten bei neurologischen Symptomen sofort medizinischen Rat einholen."