Ab dem 24. Juli 2020 war das Tragen von Gesichtsmasken und Abdeckungen in Geschäften und Supermärkten in England verpflichtend, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Dieser Maßnahme kommt angesichts neuer Belege für eine mögliche Luftübertragung eine zentrale Rolle zu. Doch was genau bedeutet "Übertragung durch die Luft", und erhöht sie das Infektionsrisiko signifikant?
Wie breitet sich das Coronavirus hauptsächlich aus?
Der wissenschaftliche Konsens besagt: Das SARS-CoV-2-Virus wird primär durch Atemtröpfchen übertragen – virusbeladene Speichel- oder Schleimpartikel, die bei Husten, Niesen, Sprechen oder Singen freigesetzt werden. Diese Tröpfchen mit einem Durchmesser von über 5 Mikrometern (μm) sinken nach 1–2 Metern aufgrund der Schwerkraft zu Boden. Unter bestimmten Bedingungen können sie jedoch weiter gelangen und direkt in die Schleimhäute von Nahestehenden eintreten.
Indirekt erfolgt die Übertragung über kontaminierte Oberflächen wie Türklinken oder Einkaufswagengriffe. Deshalb empfehlen Experten wie die WHO konsequent Abstandhaltung und gründliches Händewaschen.

Was versteht man unter Luftübertragung?
Beim Atmen, Sprechen oder Husten entstehen auch kleinere Tröpfchen. Partikel unter 5 μm schweben als Aerosole minuten- oder stundenlang in der Luft und können weiter reisen als größere Tröpfchen. Krankheiten wie Masern werden primär aerosolgetrieben übertragen.
Ist eine Aerosolübertragung des Coronavirus möglich?
Experten prüfen vielversprechende Hinweise. Laborstudien mit Laserlichtstreuung zeigten: Eine Minute lautes Sprechen kann über 1.000 virushaltige Aerosole erzeugen, die acht Minuten oder länger schweben. Weitere Experimente mit Verneblern bewiesen die Infektiosität des Virus in Aerosolen nach 16 Stunden – wenngleich die WHO betont, dass solche Bedingungen nicht den menschlichen Husten nachbilden.
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In Wuhan fanden Studien virushaltiges genetisches Material in Luftproben aus Krankenhäusern, dessen Infektiosität jedoch unklar blieb. Fallanalysen, wie ein Ausbruch in einem Guangzhou-Restaurant im Januar 2020, wo 10 Personen über den Klimaanlagenstrom infiziert wurden, deuten auf Aerosole hin.
Über 200 Wissenschaftler forderten am 6. Juli 2020 in Clinical Infectious Diseases Anerkennung dieses Risikos. Die WHO aktualisierte daraufhin ihre Leitlinien und warnte vor Übertragungen in überfüllten, schlecht belüfteten Räumen – weitere Forschung sei dringend nötig.
Wie groß ist die Rolle der Luftübertragung?
"Dieser Weg ist möglich, doch sein Anteil an Infektionen ist unbekannt", erklärt Dr. Hassan Vally, Epidemiologe und Infektionskrankheitsexperte an der La Trobe University in Melbourne. Offene Fragen: Virusüberlebensdauer in Aerosolen und Infektionsdosis. Dennoch: Größere Tröpfchen bleiben dominant, wie soziale Distanzierung zeigt, die Ausbrüche effektiv stoppte.

Ändert das die Gesundheitsempfehlungen?
Auch bei Aerosolrisiko würde es Infektionen ohne engen Kontakt erleichtern, doch Dr. Vally sieht keine Politik-Überholung. Stattdessen: Stärkere Maskenpflicht und Belüftung mit Frischluft. Anpassungen von Temperatur oder Luftfeuchtigkeit könnten Viren stabilisieren verhindern. "Kein Game-Changer, sondern neues Wissen über einen komplexen Erreger", fasst Vally zusammen.