DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Long COVID: Wie häufig tritt es auf? Experten geben Auskunft

Bei bis zu 10 Prozent der COVID-19-Patienten halten Symptome länger als drei Monate an. Weltweit bezeichnen Betroffene dies als "Long COVID".

Forscher sehen darin Nachwirkungen des Virus, verursacht durch Schäden an Organen, Immun- und Nervensystem. Besonders Krankenhauspatienten brauchen oft eine längere Erholung, doch Long COVID kann jeden Menschen jeden Alters und jeder Herkunft betreffen.

Bekannte Viren verursachen Symptome Wochen, Monate oder Jahre nach der Infektion – wie bei myalgischer Enzephalomyelitis (ME) oder chronischem Erschöpfungssyndrom, die als postvirale Erkrankungen gelten. Es ist daher plausibel, dass COVID-19 langfristige Probleme auslöst.

Dr. Matthew Knight, Spezialist für Atemwegsmedizin, kennt aus seiner Klinik Patienten mit ME, die über Monate und Jahre verschlechterten. Heute sucht er Betroffene auf, die Monate nach der COVID-Infektion mit extremer Müdigkeit kommen. Werden sie ein ähnliches Langzeitbild entwickeln?

Knight untersuchte den Zustand mit Prof. Trish Greenhalgh, Expertin für medizinische Grundversorgung, und Atemphysiotherapeutin Maria Buxton. Patienten gliedern sich in drei Gruppen.

Akut-COVID-Patienten haben Symptome von Tag 1 bis 21. Die Mehrheit erholt sich hier, doch Studien deuten an, dass bis zu 20 Prozent mindestens 12 Wochen Symptome haben.

Postakut-COVID beschreibt die Phase von Woche 3 bis 12. "Diese Symptome lösen sich meist von allein", erklärt Knight. Atemnot, Müdigkeit, Husten, Kopfschmerzen, Durchfall, Hautausschläge oder Reizbarkeit bessern sich typischerweise. Ob Betroffene noch ansteckend sind, ist unklar.

  • Abonnieren zum Science Focus Podcast auf diesen Diensten: Acast, iTunes, Stitcher, RSS, Overcast

Chronisch oder Long COVID liegt vor, wenn Symptome über 12 Wochen andauern. "Frühe Befunde und Klinikerfahrungen zeigen: Diese Beschwerden verschwinden nicht einfach", betont Knight.

Die Häufigkeit ist schwer zu beziffern. Die COVID-19-Symptom-Tracker-App ergibt 1 bis 10 Prozent mit Symptomen nach 10 bis 12 Wochen. In Großbritannien mit 530.000 Infizierten könnten 5.300 bis 53.000 an Long COVID leiden.

"60.000 ist eine fundierte Schätzung", sagt Knight. "Das ist das Minimum, auf das wir uns einstellen müssen – mit Dienstleistungen und Rehabilitation. Es betrifft nicht jeden, ist aber ernst genug für intensive Forschung."

Was bestimmt, wer länger als 12 Wochen Symptome hat? Vorerkrankungen erhöhen das Risiko, doch es trifft auch Gesunde jeden Alters. Bislang lag der Fokus auf Therapien und Impfstoffen.

Bei Langzeitfällen gibt es zwei Typen: Organische Schäden wie Lungenvernarbung oder Herzmuskelschäden (Minderheit). Die Mehrheit leidet primär unter Müdigkeit, Atemnot, Gelenkschmerzen oder Durchfall – bei normalen Untersuchungen.

Für Organschäden gibt es bewährte Therapien, für Erschöpfung fehlt ein Standard. "Kollegen mit COVID berichten nach Monaten von tiefer Erschöpfung. Diese Symptome sind real und müssen ernst genommen werden", warnt Knight.