Ein internationales Forscherteam hat in der Demokratischen Republik Kongo eine bemerkenswerte Gruppe von Menschen entdeckt, die HIV ohne Medikamente auf natürliche Weise unter Kontrolle halten. Diese Beobachtung weckt neue Hoffnungen auf ein Heilmittel gegen das Virus.
Bekannte „Elite-Kontrolleure“ von HIV gibt es weltweit, doch Experten sehen hier eine der größten Gruppen in einer Region mit natürlicher Virusunterdrückung. Sie erwarten wertvolle Erkenntnisse, die zukünftige Therapien vorantreiben und die Suche nach einem Heilmittel unterstützen.
Elite-Kontrolleure halten über Jahre eine niedrige oder nicht nachweisbare Viruslast aufrecht, ohne antiretrovirale Therapie (ART) zu benötigen. Schätzungen zufolge machen sie etwa 0,1 bis 0,2 Prozent der HIV-positiven Bevölkerung aus.
Frühere Studien deuten auf Faktoren wie defekte HIV-Varianten oder seltene Immunreaktionen hin.
Die aktuelle Studie, publiziert in eBioMedicine, stammt von Experten von Abbott Diagnostics, der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore und dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases in den USA.

Bei der Untersuchung von 10.457 Personen wurden 429 HIV-Antikörper-positiv, aber viruslast-negativ identifiziert. Die Prävalenz von Elite-Kontrollern in der DR Kongo liegt bei 2,7–4,3 Prozent – deutlich höher als die globale Rate von 0,1–2 Prozent.
Die Wissenschaftler sehen hier eine Chance, genetische Faktoren zur Virusunterdrückung zu erforschen.
„Durch globale Überwachung sind wir Infektionskrankheiten stets einen Schritt voraus – und dies könnte ein Meilenstein auf dem Weg zu einem HIV-Heilmittel sein“, erklärt Dr. Michael Berg, Associate Research Fellow bei Abbott und Lead-Autor der Studie.
„Die globale Forschung hat noch viel vor sich, doch der Austausch solcher Erkenntnisse bringt uns Behandlungen näher, die HIV eliminieren könnten.“

Im Vereinigten Königreich lebten 2019 schätzungsweise 105.200 Menschen mit HIV. Rund 94 % sind diagnostiziert, 6 % wissen nichts davon.
98 Prozent der Diagnostizierten erhalten eine Therapie, und bei 97 Prozent der Behandelten ist das Virus viral supprimiert – sie können es nicht übertragen.
„Der Fortschritt im Verständnis von HIV beschleunigt sich“, betont Dr. Michael Brady, medizinischer Direktor des Terrence Higgins Trust. „Moderne Therapien ermöglichen ein langes, gesundes Leben ohne Übertragungsrisiko.
Dennoch brauchen wir Impfstoffe und ein Heilmittel. Je tiefer unser Wissen über Virus und Immunsystem, desto näher rücken wir dem Ziel.“