Laut einer umfassenden archäologischen Analyse deuten Werkzeuge aus Gräbern quer durch Europa darauf hin, dass Frauen und Männer vor rund 5.000 Jahren in bäuerlichen Gesellschaften klare geschlechtsspezifische Aufgaben übernahmen.
Die Untersuchung von 400 Steinobjekten aus der Jungsteinzeit – einer Phase, in der sich Landwirtschaft über den Kontinent ausbreitete – ergab, dass Werkzeuge in Frauengräbern vorwiegend zur Bearbeitung von Tierhäuten und Fellen dienten.
In Männergräbern hingegen fanden sich Artefakte, die mit Jagd, Holzarbeiten, Schlachten und möglichen Konflikten assoziiert werden.
Beteiligte britische Forscher betonen: Diese Arbeitsteilung nach biologischem Geschlecht zeugt nicht von Ungleichheit, sondern unterstreicht, wie zentral unterschiedliche Rollen von Männern und Frauen für den Übergang zur Landwirtschaft waren.
„Geschlechtsspezifische Rollen waren kein Indiz für frühe Ungleichheiten, sondern demonstrieren die Dynamik landwirtschaftlicher Gesellschaften und ihr Bewusstsein für die vielfältigen Fähigkeiten ihrer Mitglieder“, erklärt Dr. Penny Bickle vom Department of Archaeology.
„Die Frauenaufgaben stellten anspruchsvolle Handarbeit dar, die die Männerarbeit ergänzte und als gleichwertiger Beitrag zur Gemeinschaft galt. Die Beigabe solcher Objekte in Gräbern zeigt, wie hoch diese Qualifikationen geschätzt wurden.“
Die Studie offenbart zudem regionale Unterschiede: Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung wandelte sich mit der Ausbreitung landwirtschaftlicher Praktiken nach Westen.
Im Osten Europas weisen Funde darauf hin, dass Frauen mobiler waren als Männer. Im Westen hingegen bewegten sich Männer stärker und nutzten jagdbezogene Werkzeuge häufiger als Frauen.
„Die Rollen und Beiträge von Frauen in frühen Gesellschaften werden oft unterschätzt. Unsere Analyse belegt jedoch ihre aktive Mitgestaltung prähistorischer landwirtschaftlicher Gemeinschaften“, betont Alba Masclans Latorre, Postdoktorandin aus Barcelona und Leiterin der Studie.
„Ihre Tätigkeiten waren so bedeutsam, dass sie im Tod symbolisch hervorgehoben wurden – ebenso wie bei Männern. Dies deutet auf spezifische, doch für alle gleichwertige Rollen hin, die das Funktionieren der Gesellschaft sicherten.“
Die Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift Plos One.