Laut Daten von Statista denken nur 11 Prozent der Menschen täglich an den Tod. Die meisten von uns widmen sich dem Leben und berühren das Thema bestenfalls dreimal oder viermal im Jahr.
Im Westen sind wir, wie Sozialpsychologe Sheldon Solomon es formuliert, Meister darin, "Existenzängste unter einem Berg Pommes Frites zu begraben". Das ist nachvollziehbar: Der Tod wirkt furchterregend. Wir leben, wir sterben – und dann ist es vorbei. Warum sollte man mehr darüber nachdenken? Pommes sind schließlich lecker.
Doch Studien in der Psychologie zeigen: Das bewusste Nachdenken über den Tod („Mortality Salience“) kann das Selbstwertgefühl stärken, uns weniger materialistisch machen und sogar humorvoller gestalten. Solche Erkenntnisse inspirieren Initiativen wie Death Cafés und das Death Salon Kollektiv, die offene Gespräche über Sterblichkeit fördern.
Diese Gruppen greifen auf uralte östliche Weisheiten zurück, die uns mahnen, die Vergänglichkeit zu bedenken. Buddha empfahl etwa die „Leichenmeditation“, bei der man Verwesungsstadien betrachtet: „Auch dieser Körper ... so ist seine Natur, so seine Zukunft, so sein unvermeidliches Schicksal.“
Das Yin-Yang-Prinzip – Dualität von Licht und Dunkel, Leben und Tod – weckt bei nicht-westlichen Kulturen oft eine tiefere Wertschätzung für den Alltag als bei uns.
Denken wir im Westen also falsch über den Tod? Nein, es gibt keinen „falschen“ Weg. Aber ein bisschen mehr Reflexion könnte unsere Perspektive bereichern – und die Pommes noch köstlicher machen lassen.