DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Radikale Lebensverlängerung beim Menschen: Warum wir es vielleicht nicht tun sollten

Im Jahr 2020 entdeckten US-amerikanische und chinesische Forscher eine Methode, um Nematodenwürmer durch gentechnische Manipulation fünfmal länger als üblich leben zu lassen. Diese Würmer dienen in der Alternsforschung als Modellorganismus, da wir evolutionär ähnliche genetische Mechanismen geerbt haben. Experten vermuten, dass gezielte Medikamente an diesen konservierten Genen die menschliche Lebensdauer verlängern könnten.

Bei Würmern, die nur Wochen leben, ist eine Übertragung auf Menschen jedoch riskant. Wir können nicht mit 500 Lebensjahren rechnen.

Wir leben bereits deutlich länger als unsere Jäger-Sammler-Vorfahren, die selten über 40 wurden. Sollten wir die globale Lebenserwartung von 73 Jahren als natürliches Ende akzeptieren oder mehr in die Bekämpfung des Alterns investieren?

Ein gängiges Gegenargument: Längeres Leben würde zu Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, höheren Emissionen und Umweltbelastung führen – auf einem bereits überlasteten Planeten.

Dies tritt jedoch selten ein. Historisch sinken Geburtenraten, wenn die Lebenserwartung steigt: Menschen bekommen weniger und spätere Kinder. Das beobachten wir seit Jahrzehnten durch Fortschritte in der Medizin.

Die Weltbevölkerung wächst zwar, aber langsamer. In Europa stagniert oder schrumpft sie, da die Fertilitätsrate unter zwei liegt. Japan, mit 84 Jahren Lebenserwartung, hat eine Rate von unter eins – im Vergleich zu über zwei in den 1960er Jahren bei unter 70 Lebensjahren.

Bei sinkenden Geburten könnten wir alle japanisch lange leben. Tatsächlich könnten viele heutige Vierjährige im Vereinigten Königreich ihren 100. Geburtstag feiern.

Doch sind diese Extra-Jahre erstrebenswert? Studien aus Ländern mit steigender Lebenserwartung zeigen gemischte Ergebnisse bezüglich Gesundheit.

Die Lücke zwischen reichen (z. B. Japan) und armen Ländern (Afrika: 20–30 Jahre weniger) deutet darauf hin, dass Lebensverlängerungstechnologien dort später ankommen.

Ist es ethisch, dass Reiche noch länger leben und mehr Ressourcen verbrauchen, während Milliarden leiden?

Fairness gebietet: Zuerst die Lebenserwartung in Afrika und Entwicklungsländern steigern – und ein langes Leben gesund und glücklich gestalten.