Wir haben die globale Pandemie statistisch gesehen erstaunlich gut gemeistert. Laut dem neuesten World Happiness Report blieb der „positive Affekt“ – unsere Fähigkeit, positive Emotionen zu empfinden – insgesamt stabil.
Allerdings stieg der Anteil der Menschen, die am Vortag besorgt oder traurig waren, um 10 Prozent. 22 Prozent berichten von einer verschlechterten psychischen Gesundheit seit COVID-19, mit weit verbreiteten Depressionen und Angststörungen. Obwohl wir positive Momente erleben können, fühlen wir uns insgesamt trauriger.
Ein Schlüsselfaktor ist die physische Distanzierung während der Pandemie, die unsere sozialen Bindungen beeinträchtigte – entscheidend für unser Glück. Viele fühlten sich einsamer, weniger verbunden und unterstützt, was das Wohlbefinden mindert.
Junge Menschen sind am stärksten betroffen. Laut dem Office for National Statistics (ONS) tragen sie fast zwei Drittel der Jobverluste seit Pandemiebeginn. Die Unterbrechung von Schule und Studium hat viele zusätzlich belastet.
Bereits vor der Pandemie gehörten junge Menschen in England zu den unglücklichsten in Europa (WHO-Bericht). Der Good Childhood Report 2020 zeigt einen weiteren Rückgang des Glücks bei 10- bis 15-Jährigen im Vereinigten Königreich, vor allem durch Prüfungsstress und Freundschaftssorgen.
Mehr Bildschirmzeit verschärft das Problem: Jugendliche verbringen exponentiell mehr Zeit in sozialen Medien, was persönliche Interaktionen verdrängt. US-Forscher fanden: Mehr Gerätenutzung korreliert mit weniger Glück, soziale Aktivitäten mit mehr.
Frauen leiden ebenfalls stärker: ONS-Daten zeigen höhere Beurlaubungsraten, und Kantar Public berichtet, dass Mütter den Heimunterricht übernahmen – oft karrierehemmend. Frauen pflegen mehr soziale Kontakte, deren Verlust (University of Essex-Studie) sie härter trifft.
Das Center for Economic Policy Research bestätigt mehr Jobverluste bei Frauen; der World Happiness Report verknüpft Arbeitslosigkeit mit 12 Prozent geringerer Lebenszufriedenheit. Die Auswirkungen wirken nach.
Profitieren Ältere von der Pandemie?

Ja: Über-60-Jährige melden laut World Happiness Report seltener gesundheitliche Probleme, trotz höchster COVID-Risikogruppe. Sie fühlen sich stärker unterstützt – Zoom half hier. Als erste Geimpfte konnten sie früher normalisieren.
Ihr Wohlbefinden stieg deutlich, besonders im Vergleich zu Mittdreißigern. Das passt zur U-förmigen Glückskurve: Glück peakt in Jugend und Alter, sinkt in den 40ern (Ökonomen David Blanchflower und Andrew Oswald).
Möglicherweise wurzelt das biologisch: Ähnliche Muster bei Schimpansen deuten auf evolutionäre Faktoren hin. Im Alter priorisieren wir Wichtiges wie Beziehungen, was mehr Freude schafft.