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Können wir einen Übermenschen erschaffen? Die Zukunft der Gentechnik erklärt

Paul Atreides, der Protagonist in Frank Herberts Dune, erwacht zu übermenschlichen Fähigkeiten wie Voraussicht und Allwissenheit. Dies ist kein bloßer Zufall: Er ist das Ergebnis jahrhundertelanger gezielter Gentechnik und selektiver Züchtung durch die Bene Gesserit.

Doch könnte etwas Ähnliches in der realen Welt möglich sein? Könnten wir einen 'Auserwählten' durch genetische Modifikation schaffen?

Im November 2018 sorgte eine Nachricht für weltweites Entsetzen: In China wurden die ersten genmanipulierten Babys geboren. Der Wissenschaftler He Jiankui hatte das Erbgut der Zwillingsmädchen mit CRISPR-Cas9 bearbeitet, um ihnen eine natürliche Resistenz gegen HIV zu verleihen – da der Vater HIV-positiv war.

CRISPR-Cas9 funktioniert wie eine genetische Suchen-und-Ersetzen-Funktion: Sie scannt das Genom nach spezifischen Abschnitten und ersetzt sie durch gewünschte Sequenzen.

He Jiankui wurde später zu drei Jahren Haft verurteilt, da er gegen chinesische Vorschriften verstieß, die die Bearbeitung menschlicher Embryonen verbieten. Derzeit erlauben nur wenige Länder solche Eingriffe, und nirgends ist die Implantation solcher Embryonen legal. Mit fortschreitender Technologie könnte sich das jedoch ändern.

"Innerhalb von 30 Jahren wird es wahrscheinlich möglich sein, nahezu jede Genomveränderung vorzunehmen", prognostiziert Professor Jennifer Doudna von der University of California, Berkeley. Sie erhielt 2020 den Nobelpreis für Chemie für ihre Pionierarbeit an CRISPR.

"Stellen Sie sich vor, wir entkommen der Erb-DNA unserer Eltern und gestalten unsere Gene gezielt um."

Solche Modifikationen würden sich zunächst auf Krankheitsprävention und -behandlung beschränken sowie auf Verbesserungen wie gesteigerte körperliche Stärke oder Intelligenz. Superheldenkräfte bleiben jedoch Science-Fiction. Die Debatte um Gen-Editing wirft dennoch gewichtige ethische Fragen auf.

"Komplexe Merkmale wie Stärke, Schönheit oder Intelligenz hängen nicht von einzelnen Genen ab, sondern von Interaktionen mit der Umwelt", erklärt Angela Saini, Autorin von Superior: The Return of Race Science. "Warum überhaupt selektiv züchten? Meine Vision ist eine Welt, die die vielfältige, chaotische Natur aller Menschen feiert."

  • Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 369 des BBC Science Focus Magazine.