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Mark Miodownik: Warum biologisch abbaubares Plastik derzeit keinen echten Wert hat

Laut einer Studie des Umwelt-Thinktanks Green Alliance steigen Einzelhändler von Einwegkunststoffen auf biologisch abbaubare, kompostierbare oder recycelbare Alternativen um. Doch könnten diese schnellen Lösungen die Umwelt weiter belasten?

Wir fragen den renommierten Materialwissenschaftler Mark Miodownik, Leiter des Big Compost Experiment – eines landesweiten Citizen-Science-Projekts –, ob heimkompostierbare Kunststoffe tatsächlich in Ihrem Gartenkomposter zerfallen.

Wie entstehen biologisch abbaubare oder kompostierbare Kunststoffe?

Kunststoffe basieren auf langkettigen Kohlenstoffmolekülen. Polyethylen etwa entsteht aus verknüpften Ethylenmolekülen und ergibt robuste, leichte Tüten. Viel Leben besteht ebenfalls aus solchen Ketten – aus Maisstärke oder ähnlichen Quellen kann man vergleichbare Polymere gewinnen. Diese pflanzlichen Alternativen ähneln petrochemischen Kunststoffen in ihrer Funktionalität.

Noch weiter gehen biologisch abbaubare Varianten: Sie werden so modifiziert, dass Mikroorganismen sie zersetzen können.

Wie entsorgt man biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe richtig?

Hier liegt ein Problem: Um Lebensmittel monate- oder jahrelang zu schützen, müssen Kunststoffe widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit, Hitze und Insekten sein. Chemische Stabilisatoren erschweren den Abbau. Die meisten biologisch abbaubaren Polymere zerfallen erst bei 50–60 °C in industriellen Kompostern unter spezifischen Bedingungen.

Ein 'biologisch abbaubares' Wischtuch kompostiert nicht im Heimkomposter oder im Meer – es bleibt Jahre erhalten. Besser in den Restmüll: Deponien zeigen, dass selbst Zeitungen nach Jahrzehnten lesbar bleiben, obwohl Papier biologisch abbaubar ist.

Was ist besser: biologischer Abbau oder Recycling?

Recycelbare Kunststoffe landen im Recycling – Systeme speichern den Kohlenstoff. Beim biologischen Abbau aus Pflanzen quillt CO2 in die Atmosphäre. Ideal: Alles recycelbar halten, um CO2 zu binden.

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Ist es sinnvoll, Einwegkunststoffe durch nicht kompostierbare 'biologisch abbaubare' Materialien zu ersetzen, die nicht recycelt werden können?

Derzeit nein: Kein Material ist isoliert nachhaltig – nur Systeme sind es. Stahl, Papier oder Glas funktionieren in Kreisläufen: Produktion, Nutzung, Recycling. Biologisch abbaubare Stoffe setzen CO2 frei, was unser Atmosphärenproblem verschärft.

Lohnt der Wechsel von Einwegplastik zu anderen Einwegmaterialien?

Papierrecycling scheitert bei Lebensmittelkontamination und verbraucht mehr Energie/Wasser als Plastik. Glas ähnlich. Öffentliche Abscheu vor Plastikmüll ist berechtigt, doch reflexartige Austausche sind oft Greenwashing. Wir brauchen Systemänderungen weg von Einwegprodukten.

Wie geht es weiter?

Plastik bleibt essenziell: Es minimiert Lebensmittelverlust, Transportemissionen und ist in 67 % unserer Kleidung. Wir müssen Recycling-Systeme für alles schaffen – von Supermarktverpackungen bis Alltagsgegenstände. Jeder Plastikteil recycelbar, sortenrein, ohne Entscheidungsstress: Das ist die Zukunft.