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Über 40.000 Jahre altes Garn: Neandertaler beherrschten grundlegende Mathematik

Ein internationales Team von Forschern hat den ältesten bekannten Beweis für die Garnherstellung entdeckt: Ein 6 mm langes Schnurfragment aus der Abri du Maras in Südfrankreich, datiert auf vor 41.000 bis 52.000 Jahren.

Dieses Fragment wurde von Neandertalern des Mittelpaläolithikums (vor 30.000 bis 300.000 Jahren) gefertigt. Die Analyse, geleitet von Anthropologie-Professor Bruce Hardy vom Kenyon College in Ohio, USA, wurde in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports publiziert.

Die Forscher schlussfolgern, dass die Herstellung einer dreilagigen Schnur grundlegende mathematische Fähigkeiten erforderte – wie das Verständnis von Paaren, Mengen und Zahlen. Dies deutet auf fortschrittlichere kognitive Kompetenzen der Neandertaler hin als lange angenommen.

Das Fragment war verdreht in drei Bündeln um ein 60 mm langes Steinwerkzeug gewickelt, möglicherweise als Griff oder Teil eines Netzes oder einer Tasche. Mikroskopische Untersuchungen bestätigten die Verflechtung von Fasern aus der inneren Rinde von Nadelbäumen, was umfassende Kenntnisse über Pflanzenwachstum und Saisonalität voraussetzt.

Über 40.000 Jahre altes Garn: Neandertaler beherrschten grundlegende Mathematik

Diese Entdeckung übertrifft frühere Funde wie die 19.000 Jahre alten Fasern von Ohalo II in Israel und ermöglicht Spekulationen über Neandertaler-Textilien: Taschen, Matten, Netze, Stoffe, Körbe oder Schlingen.

Die Autoren betonen: „Das Verständnis verdrillter Fasern impliziert eine komplexe Mehrkomponententechnologie sowie mathematisches Wissen. Ergänzt durch Belege für Birkenpech, Kunst und Perlen, wird die Idee kognitiver Unterlegenheit der Neandertaler unhaltbar.“