Die reichsten 10 % der Weltbevölkerung verbrauchen etwa 20-mal mehr Energie als die ärmsten 10 %, wie eine umfassende Studie der University of Leeds zeigt.
Diese Analyse, die 86 Länder einschließlich ganz Europa umfasst, beleuchtet, wie verschiedene Einkommensgruppen ihr Geld ausgeben und dadurch Energie verbrauchen.
Es überrascht kaum, dass Wohlhabendere mehr Energie nutzen – je reicher, desto mehr. Besonders auffällig: Sie investieren ihr zusätzliches Einkommen in Aktivitäten mit dem höchsten CO₂-Ausstoß, vor allem im Transportbereich.
„Weltweit geben reichere Haushalte ihr Mehr an Einkommen für energieintensive Güter und Dienstleistungen aus, die mit Verkehr verbunden sind“, erklärt Prof. Julia Steinberger, Expertin für ökologische Ökonomie an der University of Leeds und Mitautorin der Studie. „Diese Ungleichheit und die Überlastung des Verkehrs durch höhere Einkommensschichten hat mich tief beeindruckt.“
Reiche verbrauchen überproportional viel Transportenergie: Sie fliegen häufiger, kaufen größere und mehr Autos und legen längere Strecken zurück. Dies belegt die Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Energy veröffentlicht wurde.
„Auch in Ländern wie Deutschland oder Großbritannien sind wohlhabendere Haushalte für die meisten gefahrenen Kilometer verantwortlich“, betont Steinberger. „Nicht die Anzahl der Reisen, sondern die superlangen Strecken mit großen Autos – das sind typisch reichere Haushalte.“
Der auffälligste Befund: Verkehr, insbesondere Fliegen, ist die ungleichste Form der Energienutzung. „In den 86 Ländern sind die ärmsten 50 % für weniger als 5 % des Flugenergieverbrauchs zuständig, während die reichsten 10 % 75 % verursachen“, sagt Tim Gore, Klimaexperte bei Oxfam (nicht an der Studie beteiligt).

Die Forschung hilft, gezielte Klimapolitiken zu entwickeln, die Emissionen effektiv senken, so Steinberger.
Beispielsweise könnten Steuern auf Kraftstoff und Flugreisen Emissionen reduzieren – als Luxusgüter, die Reiche stark nutzen.
„Politiken, die Vielverbraucher finanziell belasten, sind absolut zielführend“, unterstreicht Steinberger.
Im Gegensatz dazu eignet sich eine Heizungssteuer kaum: Heizen ist essenziell für alle.
„Regierungen sollten Energie für Grundbedürfnisse wie Heizung nicht besteuern, sondern in Sanierungen investieren – das ist für viele nicht erschwinglich“, rät Gore.