Im Venedig des 16. Jahrhunderts galten Formeln zur Lösung von Gleichungen als streng gehütetes geistiges Eigentum. Für den renommierten Ballistik- und Befestigungsexperten Niccolò Tartaglia waren quadratische und kubische Gleichungen von besonderem Interesse – sie modellieren unter anderem das Flugverhalten von Projektilen. Viele kennen sie aus der Schulmathematik: Quadratische Gleichungen enthalten einen x²-Term, kubische einen x³-Term. Tartaglia und seine Kollegen stellten fest, dass einige Lösungen Quadratwurzeln negativer Zahlen erfordern. Hier lag das Problem: Negative Zahlen besitzen keine reellen Quadratwurzeln, da das Quadrat einer jeden Zahl positiv ist – etwa (-2) × (-2) = 4.
Tartaglia und sein Rivale Gerolamo Cardano entdeckten jedoch, dass die Zulassung negativer Quadratwurzeln in Berechnungen zu validen reellen Ergebnissen führte. Tartaglia erfuhr dies 1530 auf schmerzhafte Weise: Er unterlag in einem einmonatigen Duell zum Lösen von Gleichungen einem Schüler Cardanos.