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Medikamentenrückstände im Trinkwasser: Wissenschaftliche Fakten und Risiken

Ja, Spuren von Arzneimitteln im Trinkwasser sind eine wachsende Besorgnis. Eine landesweite Studie des US Geological Survey aus den frühen 2000er Jahren zeigte, dass 80 Prozent der Bäche in den USA Rückstände von Antibiotika, Verhütungsmitteln, Schmerzmitteln und Antidepressiva enthielten. Diese pharmazeutischen Wirkstoffe (APIs) wurden seither in der Wasserversorgung vieler Länder, einschließlich Großbritanniens, nachgewiesen. Sie gelangen durch Ausscheidung von Patienten, das Spülen ungenutzter Medikamente oder in der Produktion ins Wasser.

Zunächst galten die Konzentrationen als unbedenklich. Neuere Studien aus Städten weltweit weisen jedoch höhere Werte nach, die Risiken für Wasserorganismen und Menschen bergen.

Antidepressiva fand man etwa im Gehirn von Fischen hinter Kläranlagen – sie verändern ihr Verhalten und machen sie weniger vorsichtig. Britische Forscher entdeckten in fast 90 Prozent der untersuchten Flussgebiete Fische mit männlichen und weiblichen Merkmalen, verursacht durch Stoffe aus Verhütungsmitteln. Dies nährt den Verdacht, dass ähnliche Kontaminationen zum jahrzehntelangen Rückgang der Spermienzahlen beim Menschen beitragen könnten.

Ein endgültiger Beweis für Schäden durch APIs bleibt schwierig: Zu viele Ursachen und Wege sind möglich. Auch wenn Konzentrationen oft tausendfach niedriger als in einer Tablette sind, sind Langzeitwirkungen bei Dauerexposition unbekannt.

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Behörden reagieren: Die EU-Kommission bereitet eine Strategie vor. Die US-amerikanische FDA rät, ungenutzte Medikamente nicht zu spülen, sondern Etikettenanweisungen zu befolgen oder sie versiegelt in den Hausmüll zu geben.