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Warum ignorieren wir unseren Datenschutz? Lektionen aus John Carpenters Kultfilm 'They Live'

In John Carpenters legendärem Sci-Fi-Kultfilm They Live aus den 1980er Jahren gibt es eine ikonische Kampfszene – wohl der übertriebenste Konflikt, der je auf Zelluloid gebannt wurde. Die Hauptfigur, der arbeiterklassen-Typ Nada, ist zutiefst frustriert von der Ungerechtigkeit, während Angestellte in ihrem Alltag an ihm vorbeirasen.

Eines Tages findet er eine schwarze Sonnenbrille, setzt sie auf und sieht die Welt, wie sie wirklich ist: nicht in buntem Technicolor, sondern in tristem Schwarz-Weiß. Überall Werbetafeln mit Botschaften wie 'MARRY AND REPRODUZIEREN', 'GEHORCHEN' und 'DAS IST DEIN GOTT'. Die Brille deckt eine Verschwörung auf, die die Massen kontrolliert. Dahinter: Aliens, die als Menschen getarnt sind.

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Hier kommt der epische Kampf ins Spiel. Nada versucht verzweifelt, seinen Kumpel Frank zu überzeugen, die Brille anzuprobieren und die Wahrheit zu erkennen. Frank weigert sich stur. Sie prügeln sich ganze 10 Minuten lang in diesem 94-minütigen Film. 'Setz die Brille auf!', ruft Nada – der hartnäckigste Sonnenbrillen-Verkäufer aller Zeiten.

Ich liebe diesen Film. Er zeigt, wie weit wir gehen, um zu ignorieren, dass uns Wünsche und Lebensstile verkauft werden, die nur den Verkäufern nützen. Nada will seinem Freund die Augen öffnen; Frank wehrt sich. Beide spiegeln unsere Ambivalenz zur technologischen Welt wider.

Wir alle wissen: Gratis hat seinen Preis. Unsere Verhaltensdaten werden von Webdiensten gesammelt und an Werbetreibende verkauft. Es steht schwarz auf weiß in den AGB – doch Filter pushen perfekte Identitäten: nie weinen, immer tolle Urlaube, ständig konsumieren.

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Manche wollen uns die 'Brille' aufsetzen. Als Psychologin und Moderatorin von Digital Human bin ich oft dabei, die laxen Datenschutzpraktiken von Tech-Firmen zu erklären. Doch wie bei Nada und Frank kommt die Botschaft nicht immer an.

Künstler Ivan Cash interpretiert das radikal: Er verkauft 'IRL-Brillen', die Bildschirme schwarz färben – gestaltet wie in They Live. In der letzten Folge von Digital Human beschreibt er sie als Katalysator für die Debatte über Bildschirmabhängigkeit.

In Hollywood siegt die Wahrheit. In der Realität wissen wir: Die 'Aliens' sind da. Nun liegt es an uns, die Fortsetzung zu schreiben.