Als Kind wurde ich davor gewarnt, meine Handschrift nach hinten zu neigen – angeblich ein Zeichen von Faulheit. Solche Behauptungen stammen aus der Graphologie, einer Methode mit Wurzeln bei französischen Geistlichen des 19. Jahrhunderts. Sie will aus Schreibmustern Persönlichkeitsmerkmale ableiten, etwa sexuelle Stärke aus bauchigen Schleifen bei 'y' und 'g'.

Die moderne Psychologie hält Graphologie jedoch für einen Mythos, wie in '50 Great Myths of Popular Psychology' von US-Forschern beschrieben.
Dennoch gibt es nuancierte Hinweise: Eine uruguayische Studie von 2016 mit Hunderten Teilnehmern ergab, dass bei Männern eine große Signatur mit sozialer Tapferkeit korreliert, bei Frauen mit Narzissmus. Signaturen könnten als Selbstdarstellung speziell aufschlussreich sein.